Rob Ford: Im Kreuzfeuer der Bürgerjournalisten?

Rob Ford: Im Kreuzfeuer der Bürgerjournalisten?

#6

Toronto CN Tower

Seit Monaten beherrscht Torontos Bürgermeister Rob Ford die Schlagzeilen seines Heimatlandes – und hat es dank der schnellen Verbreitung von Information über das Internet zu bizarrer Berühmtheit gebracht. Was war passiert?

Im Mai 2013 kam das Gerücht auf, ein Video existiere, in welchem der Politiker beim Konsum von Crack zu sehen sei. Dieses wurde Reportern des Toronto Star angeboten, die den Kauf nach Sichtung aber ablehnten. Als das Video im Oktober von der kanadischen Polizei sichergestellt werden konnte, gab Ford – nach monatelanger Zurückweisung der Vorwürfe – den Konsum von Crack im betrunken Zustand zu.1 Konsequenzen für sein Amt schloss er daraus bislang nicht.

Seit dem öffentlichen Geständnis des Bürgermeisters von Kanadas größter Stadt irren massenhaft Fotos des wohlbeleibten Politikers durch das Netz, welche diesen in unglücklichen Posen zeigen.2 Und nun, da der Fall (im wahrsten Sinne des Wortes!) von Rob Ford die Schlagzeilen beherrscht, hatte sich der „Toronto Star“ dazu entschlossen das Video eines Bürgerjournalisten käuflich zu erwerben und zu veröffentlichen, auf dem der scheinbar aufgebrachte Bürgermeister droht jemandem seine verda**te Kehle herauszureißen.3
Die Veröffentlichung des Videos stieß hierbei teils auf Unverständnis und Beschwerden gegen die Zeitung gingen beim Ontario Press Council auch aufgrund der Zahlung von 5.000 Dollar ein. Kathy English, deren Hauptaufgabe beim „Toronto Star“ die Aufrechterhaltung journalistischer Ethik ist, verteidigt den Kauf des Videos im Namen des „öffentlichen Interesses“.4

Die Kritik der Leser ist hierbei auch verständlich. So stellt ein Leser die Frage, warum nicht auch das erste Video gekauft wurde? Auch die monatelange Berichterstattung scheint die Nachrichtenkonsumenten inzwischen im besten Fall zu langweilen. Kritik an der Berichterstattung der Medien wird daher immer lauter.5 Zudem ist die Authentizität der einzelnen Bilder und deren inhaltlicher Kontext, nur schwer nachvollziehbar.

Kein Wunder also, dass nun auch die sogenannten Bürgerjournalisten in Verruf geraten. In einem Beitrag mit dem Titel: Is Rob Ford a victim of cititzen journalism gone wrong?6 stellt der Verfasser Jesse Brown daher eben diese Frage. Sein Fazit geht letztlich zu Gunsten des, wenn auch manchmal „dreckigen“, Bürgerjournalismus aus. Denn, so Brown, “The truth has come out. Ten years ago, it wouldn’t have.”7


1 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Rob_Ford
2 vgl. http://www.buzzfeed.com/corinacorina/10-embarrassing-moments-from-toronto-mayor-rob-for-a4f9
3 “rip his fu**ing throat out”
4 vgl. http://www.thestar.com/opinion/public_editor/.
5 vgl. Leserkommentare “No chequebook …”
6 vgl. http://www2.macleans.ca/2013/11/06/is-rob-ford-a-victim-of-citizen-journalism-gone-wrong/
7 Übersetzung: Die Wahrheit ist herausgekommen. Vor zehn Jahren wäre sie das nicht.

Foto: “Toronto CN” – Rosemarie Kerschreiter