Recap: Webinar „How Breaking News Got Broken“

Recap: Webinar „How Breaking News Got Broken“

#11

Vergangenen Donnerstag veranstaltete Infinite Conferencing ein einstündiges Webinar (#office1on1) zum Thema Bürgerjournalismus zusammen mit Susan Young und Gerard Braud. Im Wesentlichen wurden prominente Beispiele des Bürgerjournalismus betrachtet und der Frage nachgegangen, welchen Einfluss dieser auf den traditionellen Journalismus, aber auch dem Content Marketing hat.

Susan Young, CEO von Get in Front Communications, Radiosprecherin und Social-Media-Expertin, konstatierte gleich zu Beginn, dass in der heutigen Zeit jeder Nutzer einen “Presseausweis” habe. Als Beispiel nannte sie Janis Krums, der durch sein auf Twitter veröffentlichtes Foto des Hudson River Unglücks (2009) berühmt wurde. Krums hatte von einer Fähre aus ein Bild des, im Hudson schwimmenden, Flugzeugs gemacht und lieferte damit das erste Bildmaterial, das von den Nachrichten verbreitet wurde. Das was ihn von den anderen Passagieren der Fähre unterschied, so sagt Susan Young, war das Wissen darum, wie man sich der Technologie bedient, denn: „If you have the ability to spread the message, you have the power.“
Wichtig sei aber auch, und das gelte für Journalisten wie Bürgerjournalisten, seine Informationen belegen zu können. So bestürzte sie die Frage, die ihr einmal über einen Chat gestellt wurde, ob es wichtiger sei schnell oder akkurat zu arbeiten. Kein ausgebildeter Nachrichtenreporter würde diese Frage stellen, so Young. Natürlich müsse man beides tun. „That’s the dividing line between – who really has the press pass, and who has the power.”
Für Unternehmen, die sich dem bürgerjournalistischen Werkzeug bedienen wollen, sei es wichtig nicht eigennützig vorzugehen, sondern auf die Interessen der Nutzer zu achten. „No one wants to connect with a selfish person“, zitierte sie Seth Godin. Als Vorteil sei anzusehen, dass heutzutage alles zu einer interessanten Nachricht werden könne. (Als positives Beispiel nannte sie u.a. Red Bull.)

Ist die gedruckte Presse immer noch ein rentables Medium für Inhalte?, so eine Frage via Chat aus dem Teilnehmerkreis. Beides, sagt Susan Young, traditionelle Medien wie soziale Medien seien von Bedeutung, abhängig davon, wen die Botschaft erreichen soll.

Als nächstes berichtete Gerard Braud, CEO von Braud Communications, ehemaliger Reporter und Medientrainer von seinen Erfahrungen als Bürgerjournalist während des Hurrikans Isaac 2012. Eingekesselt von der Flut, ohne Elektrizität und umgeben von vier im Wasser treibenden Alligatoren, erstellte er mit seinem Iphone Videos, die kurz darauf von CNN ausgestrahlt wurden.

Er bevorzuge den Begriff „citizen media“ anstelle von „citizen journalist“. Dies begründete er mit fehlender journalistischer Ausbildung des Letzteren. Und dennoch seien und werden bürgerjournalistische Inhalte immer wichtiger, meint Gerard Braud. So habe selbst Twitter (in einer CNBC-Doku) den Fall Janis Krums als bahnbrechend für das Unternehmen anerkannt. In einer Medienhauptstadt wie New York, betonte er, war ein normaler Bürger derjenige, der das erste Foto machte. Ein weiteres wegweisendes Beispiel sei die Schießerei in der Virginia Tech Universität (2007) gewesen. „Location wins“, also derjenige, der als erstes vor Ort ist hat den Vorteil gegenüber den Experten.

Auf die Frage ob soziale Medien Fluch oder Segen für den Journalismus seien, antwortete er: „Beides. Was zur Zeit passiert ist, dass das Internet traditionelle Medien überflüssig macht.“ Denn es gebe nun zu viele unterschiedliche Orte, um an Informationen zu kommen. Bürgerjournalisten ersetzen im Grunde das, in den Redaktionen inzwischen fehlende, Personal, da sie das Material für die Nachrichten erzeugen und bereitstellen. Und somit gilt auch für diesen zu „üben, üben, üben“. Insbesondere, da der Trend 2014, so sehen es die beiden Vortragenden, zu bildlichen Inhalten tendiert. Es sei also wichtig, Variablen wie Lichteinfall, Ton, Blick usw. Beachtung zu schenken.

Auf meine Frage über das Problem von nicht verifizierten Inhalten, gab Braud zu, dass es ein Problem sei. Er selbst sehe es ungern, wenn Sender nicht verifiziertes Material veröffentlichen mit dem Hinweis dieses im Internet gefunden zu haben. Die Medien sollten nicht wie wir, also die normalen Nutzer, arbeiten und stattdessen gründlicher recherchieren.

(Als Beispiel für mangelnde Recherchearbeit einer Online-Zeitung, siehe “Eine Zeitungsente in der San Francisco Bay“.)