Welchen Beitrag leistet der Bürgerjournalismus?

Welchen Beitrag leistet der Bürgerjournalismus?

#20

In der letzten Woche erschienen einige Beiträge im Internet, die den Stellenwert des Bürgerjournalismus in der heutigen Zeit diskutieren.

In dem Blogbeitrag „Warum Bürger-Journalismus wichtig ist“ hält Thomas Stahl, Verfasser und Blogbetreiber von tiuz.de, Kritikern die Entwicklungsgeschichte des (Bürger-)Journalismus entgegen, dessen bedeutsamsten Anfänge wohl in den, während der Französischen Revolution publizierten, Flugblättern zu sehen sind. (Vgl. hierzu auch den Beitrag The Rise of Citizen Journalism).
Stahl meint, dass traditionelle Medien nicht per se bessere Qualität böten, ebenso wie Laien-Beiträge nicht unweigerlich schlechter sein müssten. Insbesondere in Staaten, in denen die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird, sind bürgerjournalistische Beiträge ein fundamentales Sprachrohr von Kritikern. Daher kann man den Bürgerjournalismus dort – aber auch hierzulande – als die wahre vierte Gewalt betrachten bzw. kann er zu dieser werden.

Laura Bashraheel hat für ihren Artikel „How Citizen journalism is contributing to change” eine Journalistin und einen Blogger nach deren Meinung zum Thema Bürgerjournalismus befragt. Als Reporterin für die Saudi Gazette denkt sie dabei vor allem an die Rolle, die dieser während des Arabischen Frühlings spielte.
Hayat Al-Ghamdi von Al-Hayat sagt, dass der Bürgerjournalismus von den meisten traditionellen Blättern als positiv betrachtet wird und verweist auf eine Studie nach der 30% der Nachrichten von Inhalten stammen, die Laien über Twitter, Facebook und YouTube veröffentlicht hatten.
Dennoch fehle den Beiträgen von Bürgerjournalisten nach wie vor die Glaubwürdigkeit, was auch der Blogger Khaled Yeslam denkt. So meint er, dass „traditionelle Medien nach wie vor die glaubwürdigste Quelle für Nachrichten sind“ wohingegen aber neuen Medien erst eine freie Meinungsäußerung ermöglichten.1

Der letzte Beitrag ist ein Editorial von David Cruz für die Norwood News. Dieser thematisiert den Bürgerjournalismus zwar nicht direkt, liefert dennoch einen interessanten Gedanken zum Diskurs. In „Why Community Journalism Matters To the Bronx“ macht Cruz auf einen von City Limits herausgebrachten Bericht aufmerksam, wonach der New Yorker Stadtbezirk Bronx in der Berichterstattung der etablierten Zeitungen unterrepräsentiert ist. Der Grund sei, dass die – größtenteils aus der ärmeren Bevölkerungsschicht (28%) stammenden – Bewohner für Zeitungsinserenten uninteressant seien. Die geringere Zahl an Zeitungslesern aus den einkommensschwachen Haushalten sei folglich auf die fehlende Berichterstattung für diese zurückzuführen.
Der „community journalism“ (vgl. Hyperlokale Nachrichten) sei wichtig, um dieses Lücke zu füllen. „Er ist der Wachhund“, so sagt Cruz, „der für die Gemeinde bellt“.2


1 siehe Zitat: “New media is a challenge to traditional journalism in that the latter does not provide freedom of opinion”, […]
2 “Community journalism is much like a watchdog–we will bark on behalf of the community.”