Goodbye Fotojournalismus?

Goodbye Fotojournalismus?

#21

Innerhalb kürzester Zeit entstanden unabhängig voneinander zwei Artikel, die den möglichen Untergang des professionellen Fotojournalismus prognostizieren.

Grund ist ein im November 2013 veröffentlichter Bericht des Pew Research Centers, dem wohl wichtigsten Meinungsforschungsinstitut für Fragen rund um das Thema neue Medien. Hiernach sind vor allem Fotojournalisten von Entlassungen betroffen, wenn Zeitungsverlage Stellen einsparen wollen. Die zugrundeliegenden Zahlen von der Amerian Society of News Editors (ASNE) zeigen: Vergleicht man die Jahre 2000 und 2012 verloren seitdem 43%, also fast die Hälfte, ihre Anstellung.1

In David Rohdes “Pictures That Change History: Why the World Needs Potojournalists” (The Atlantic) und Al Jazeeras Listening Post Video-Feature “Is photojournalism dying?” scheint der Übeltäter auf den ersten Blick bereits gefunden zu sein. Nämlich Internetnutzer, die ihre Bilder über das Netz schneller und günstiger zur Verfügung stellen. Diese These wird im Verlauf jedoch relativiert.

Natürlich hat das Internet auch den Beruf des Fotojournalisten verändert. James Estrin, Fotograf für die New York Times denkt, dass die durch Soziale Medien erzeugte Fotoflut ein großes Publikum schafft, dass gute Fotografie zu schätzen weiß. Die Fotografen müssen sich neu erfinden, sagt Stephen Mayes. Soziale Medien bieten neue Präsentations- und Vertriebswege. Und berühmte Fotografen wie Ron Haviv, dem in New York gerade eine Ausstellung gewidmet wird, nutzen deren Möglichkeiten, um durch das Internet eine große Gemeinde an Anhängern zu gewinnen.2

Auch der Beitrag zum Video-Feature „Is photojournalism dying?“ schlägt gegen Ende versöhnliche Töne an: “The key for photojournalists is to find a way to harness the power of the internet instead of losing material and in some cases their jobs to it. If they manage to do that, then it is not the end of photojournalism, just the beginning of a new era.”3

 

Hier geht es zu einem Interview mit dem Fotojournalisten Sergii Kharchenko

Ein halbes Jahrhundert Fotojournalismus-Geschichte im Archiv von World Press Photo

 


1 vgl. http://www.pewresearch.org/fact-tank/2013/11/11/at-newspapers-photographers-feel-the-brunt-of-job-cuts/
2 vgl. http://www.theatlantic.com/international/archive/2013/12/pictures-that-change-history-why-the-world-needs-photojournalists/282498/
3 Übersetzung: Der Schlüssel für Fotojournalisten ist es, einen Weg zu finden, um die Macht des Internets nutzen, statt Material und in manchen Fällen den Job an es zu verlieren. Wenn sie das schaffen, dann ist dies nicht das Ende des Fotojournalismus sondern nur Beginn einer neuen Ära.