Recap: Snowden Interview

Recap: Snowden Interview

#25

Am Sonntagabend, kurz nach 23 Uhr, strahlte die ARD weltexklusiv das erste TV-Interview mit Whistleblower Edward Snowden aus. Ein echtes Highlight für alle Netizen (alle anderen natürlich auch), das allerdings viele verpasst haben dürften. Nicht nur, dass die Sendung erst zu später Stunde gesendet wurde – auch die Programminformation im Vorfeld ging größtenteils unter.1

Das sechsstündige Gespräch zwischen dem deutschen Journalisten Hubert Seipel und dem im russischen Exil lebenden Amerikaner Snowden wurde bereits Ende Dezember 2013 für den NDR aufgezeichnet und wird dem Sender zufolge Teil einer Dokumentation sein, die im Frühjahr ausgestrahlt werden soll.
Die Vorbereitungen für das Interview hatten sechs Monate in Anspruch genommen, das Ergebnis ist das weltweit erste – für einen TV-Sender durchgeführte – Interview mit Edward Snowden. Zur Erinnerung: Der britische „Guardian“ hatte bereits im letzten Jahr Ausschnitte aus einem Videointerview mit dem Ex-Geheimdienstmitarbeiter veröffentlicht. Dieses wurde während seiner Flucht, am 6. Juni, in Hong Kong aufgenommen und brachte die Berichterstattung um den NSA-Skandal ins Rollen.2

In der knappen halben Stunde, die Das Erste ausstrahlte, wurden indes nicht viele neue Geheimnisse preisgegeben, zumindest keine, die nicht bereits im Vorfeld bekannt waren. Zumal Snowden verständlicherweise sehr vorsichtig in seiner Wortwahl ist. Es sei an den Journalisten, so der Amerikaner, entsprechende Informationen öffentlich zu machen und erst dann, könne er auch darüber sprechen.
Ebenso wenig verriet er viel Privates von sich selbst. So blieb der Mensch Snowden trotz Versuche Seipels rätselhaft.3

Eine Transkription des ausgestrahlten Interviews ist hier zu finden: Transkript

Trotz allem, die Affäre um Edward Snowden ist für den Journalismus, und nicht nur für diesen, ein Grund umzudenken und sollte daher nicht so schnell in Vergessenheit geraten.
So hob beispielsweise Matthias Spielkamp dessen Bedeutung in einer Rede mit dem Titel „Journalism after Snowden” hervor.4

“But here you have a situation where people seem to have a problem to come to terms with the fact that journalism has changed – and it has forever.
This has a lot to do with the advent of blogs and self-publishing. But it is not the tiresome old squabble called “bloggers vs. journalists”. That is over. It is the question about the relationship between journalism and advocacy, between being a chronicler of events and an activist for change.” 5

 


1 vgl. http://www.sueddeutsche.de/medien/edward-snowden-im-ard-interview-snowden-show-mit-pannen-1.1871455
2 vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/guardian-neues-snowden-video-veroeffentlicht-a-910108.html
3 vgl. Transkription des Interviews
4 Rede auf der Alternative Media in Pakistan – Opportunities and Challenges-Konferenz vom 27.11.2013
5 siehe http://immateriblog.de/journalismus/journalism-after-snowden-how-the-internet-has-changed-media/