Eine Woche nach der Eskalation der #euromaidan-Proteste

Eine Woche nach der Eskalation der #euromaidan-Proteste

#26

Anfang Dezember letzten Jahres berichteten wir das erste Mal von den Protesten in der Ukraine, die im Netz unter dem Hashtag #euromaidan organisiert werden. Damals sah es noch so aus als ob die Massenproteste auf dem Maidan, die von Oppositionsführer und Boxweltmeister Vitali Klitschko angeführt werden, friedlich verlaufen würden und eine baldige Einigung möglich wäre. In einem Interview mit uns zweifelte der Fotojournalist Sergii Kharchenko bereits daran: „I’m not sure if the conflict will soon come to an end. It’s all about the President.” Hiermit sollte er bislang recht behalten.

Berichte von Polizeigewalt gab es in dieser Zeit nur selten und wurden in erster Linie von Bürgerjournalisten bekannt gemacht. Nun hat sich die Situation, wie die Schlagzeilen dieser Woche zeigen, drastisch verschärft.

Grund für die Eskalation sind die am 16. Januar  von der Werchowna Rada, also dem ukrainischen Parlament, verabschiedeten Gesetze, die sich deutlich gegen die Protestbewegung richten.

Hierzu siehe folgende Infografik von Vadim Miskyi (Chesno):

Dictatorship Infographic by Vadim Miskyi (Chesno.org)

Die Verschärfung der Gesetze hat dabei vor allem den radikaleren Kräften Auftrieb gegeben. Unlängst geriet Vladidmir Klitschko selbst in das Schussfeld der Demonstranten. Als dieser versuchte die wütende Menge zu beruhigen, wurde er mit einem Feuerlöscher besprüht. (siehe Fotos)

Anfang letzter Woche nahmen die Proteste eine traurige Wende, nachdem zwei Demonstranten anscheinend gezielt durch Pistolenschüsse getötet wurden. Zuletzt wurde die Zahl der Todesopfer auf fünf beziffert. Hunderte mehr wurden verletzt.1

Laut einem Bericht auf tagesschau.de stammen die gewaltbereiten Demonstranten aus dem „Rechten Sektor“, die sich seit Beginn der Proteste über das russische Online-Netzwerk Vkontakte organisieren. Im Gegensatz zu der Pro-EU-Bewegung treibt sie der Wunsch nach der Errichtung eines Nationalstaates. Sie sind Russland gegenüber feindlich eingestellt. Prominenter Führer ist Oleh Tjahnibok von der nationalistischen Swoboda-Partei.2

Inzwischen hat die Regierung von Janukowitsch eingelenkt und möchte die umstrittenen Gesetze wieder kippen. Ebenso hat mit Regierungschef Nikolai Asarow einer der führenden Persönlichkeiten seinen Rücktritt erklärt und somit zur Möglichkeit einer friedlichen Lösung des Konflikts beigetragen.

Für aktuelle Informationen über und von den Protesten, bietet sich die Seite http://maidan.in.ua/ sowie die dazugehörige Facebook-Seite an. Ebenso sammelt und postet Maxim Eristravi aktuelle Meldungen über Twitter.

Die Proteste werden natürlich auch in anderen Ländern wie den USA wahrgenommen. So bekundete Janis Krums (der ursprünglich aus Lettland stammt) kürzlich seine Solidarität für die Ukrainer. Ebenso wurde ein Video von dem US-Ukrainer Gregory Marcinik geteilt, der Präsident Obama darum bittet, in den Konflikt einzugreifen.

Beeindruckende Bilder aus Kiew finden sich u.a. bei THE ATLANTIC und 500px.

 


1 vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/proteste-in-kiew-aerzte-sprechen-von-fuenf-toten-und-300-verletzten-a-945025.html
2 vgl. http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-nationalisten100.html
3 siehe auch https://globalvoicesonline.org/specialcoverage/ukraines-euromaiden-protests/

Bild: Infografik “Dictatorship in Ukraine legalized” von Vadim Miskyi