Drei Jahre später: Ägypten bleibt ein heißes Pflaster für (Bürger-)Journalisten

Drei Jahre später: Ägypten bleibt ein heißes Pflaster für (Bürger-)Journalisten

#32

Am 25. Januar jährte sich die Revolution in Ägypten zum dritten Mal. Doch statt einer friedlichen Feier des Jahrestags trafen regierungsfreundliche Demonstranten und kritische Gegendemonstranten aufeinander, so dass am Ende Dutzende Menschen verletzt, hunderte verwundet und mehr als tausend festgenommen wurden.1 Das Land scheint inzwischen noch gespaltener zu sein, als zu den Zeiten des Ex-Präsidenten Mubarak. Und das bekommen auch die Journalisten vor Ort zu spüren.

Mit dem Sturz Mohammed Mursis, dem Nachfolger Husni Mubaraks, und der Einstufung der Muslimbruderschaft als Terrororganisation, hat sich das Verhältnis zu Vertretern der Presse verschärft. Insbesondere der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera ist ins Visier der herrschenden Regierung  – unter Übergangspräsident Mansur – geraten, da dieser der Muslimbruderschaft gegenüber schon immer freundlich gestimmt war und es nach wie vor ist.
Nun wurde bekannt gemacht, dass zwanzig Mitarbeiter des Senders (unter ihnen vier Ausländer) angeklagt werden sollen, da sie den Ruf Ägyptens in der Welt Schaden wollten.2 In einer öffentlichen Erklärung hieß es, die Angeklagten würden: “den Staat schwächen, dem nationalen Interesse schaden, die öffentliche Sicherheit stören, Angst in den Menschen säen, (…) sowie Kommunikations-, Film-, Rundfunk-, Video-Übertragungsgeräten besitzen ohne Genehmigung der betreffenden Behörden”.3

In einem Artikel von Joshua Hersh im Blog des New Yorker wird deutlich, dass insbesondere Reporter aus dem Ausland, aber vor allem jeglicher Kontakt von Pressevertretern mit der Muslimbruderschaft, unerwünscht ist und mit negativen Konsequenzen bei entsprechendem Verhalten zu rechnen ist.4

Auf dem “4th Arab Bloggers Meeting” in Amman (Jordanien) wurde, so Alice Su, die Situation in Ägypten mit der Vor-Revolutionären Ära verglichen. So ist der Bürgerjournalist Alaa Abdel Fattah seit letztem November inhaftiert. Ihm wird die Teilnahme an politischen Protesten vorgeworfen.5

 


1 vgl. http://www.sueddeutsche.de/politik/jahrestag-der-revolution-viele-tote-bei-protesten-in-aegypten-1.1871893
2 vgl. http://www.theguardian.com/world/2014/jan/29/egypt-to-charge-20-al-jazeera-journalists-damaging-countrys-reputation
3 ebd. “to weaken the state’s status, harming the national interest of the country, disturbing public security, instilling fear among the people, causing damage to the public interest, and possession of communication, filming, broadcast, video transmission without permit from the concerned authorities”
4 vgl. http://www.newyorker.com/online/blogs/newsdesk/2014/01/journalism-becomes-a-crime-in-egypt.html
5 vgl. http://www.cjr.org/behind_the_news/arab_bloggers_conference.php