Blogger & Politik – Als Reporter vor Ort (un)erwünscht

Blogger & Politik – Als Reporter vor Ort (un)erwünscht

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Vor Kurzem widmete sich Dr. Jonas Kahl auf Telemedicus der Frage, ob Blogger einen Presseausweis vorweisen müssen, wenn sie Zugang zu Sitzungen des Deutschen Bundestages haben wollen. Die Diskussion angeregt haben zwei, in den letzten Wochen veröffentlichten Blogbeiträge, in der über Änderungen der Akkreditierungsbedingungen informiert wurde.1

Haushaltsdebatte im BundestagIn seinem Beitrag “Zu viele Blogger” wollen über den Bundestag berichten!? berichtete Tobias Schwarz darüber, dass ihm kürzlich die Tagesakkreditierung von der Pressestelle des Bundestags verwehrt wurde, da er keinen gültigen Presseausweis vorzeigen konnte. Ein Novum, da man bislang auch als Blogger problemlos an den meisten Sitzungen teilnehmen konnte. Die Mitarbeiterin, die Schwarz über die neuen Regelungen aufklärte, verwies auf den Umstand, dass es inzwischen zu viele Blogger gäbe, die sich akkreditieren wollten – und aus Gründen den Sicherheit würde man die Anzahl an Leuten beschränken müssen.
Wer sich jemals Parlamentssitzungen live, vor Ort oder über den Bildschirm, angesehen hat, wird hierüber schmunzeln: Bleiben doch oft nicht nur die Zuschauer, sondern selbst die Politiker gerne fern.

Kurz nachdem der Bericht von Tobias Schwarz veröffentlicht wurde, schrieb Markus Beckedahl den Artikel Pressestelle des Bundestages erklärt: Wir machen hier keine parlamentarische Berichterstattung.
Dem Gründer und Chefredakteur von netzpolitk.org wurde die Jahresakkreditierung verwehrt, da auch er nur Blogger und nicht Journalist sei. Ihm wiederum wurde die Möglichkeit der Tagesakkreditierung nahe gelegt.

… aber dann wohl bitte mit Presseausweis?!

In derselben Woche kam aus England die Nachricht, dass das Medway Council in Kent neuerdings Plätze freihalten würde für Bürgerjournalisten, damit diese die Möglichkeiten hätten vor Ort über die Sitzungen zu tweeten (@medway_council).2
In Großbritannien hatte sich zuletzt der Politiker Eric Pickles prominent für Bürgerjournalisten eingesetzt.

Allerdings gibt es nicht wirklich einen Grund neidisch auf unsere, scheinbar so fortschrittlichen, Nachbarn zu blicken, denn interessant wird es bekanntlich immer dort, wo die Berichterstattung aufhört. In diesem Fall sind die Kommentare der Leser zu der Ankündigung des Medway Council aufschlussreich. So macht beispielsweise einer der Leser darauf aufmerksam, dass die Ankündigung erfolgte, nachdem tags zuvor wütende Bürger von Medway von einer Sitzung ausgeschlossen wurden.3

Es bleibt daher die Feststellung: Für die meisten Politiker ist das Internet immer noch Neuland.

 


1 vgl. http://www.telemedicus.info/article/2718-Darf-der-Bundestag-von-Bloggern-einen-Presseausweis-verlangen.html
2 vgl. http://www.theguardian.com/media/greenslade/2014/jan/27/citizenmedia-localgovernment
3 “Interesting that this announcement comes one day after angry Medway residents were evicted from the Council meeting for wanting to have their say.”

Bild: “Blick auf den Plenarsaal” – Quelle: „Deutscher Bundestag/ Marc-Steffen Unger“.