“An Paywalls im Hyperlokalen glaube ich nicht wirklich”

“An Paywalls im Hyperlokalen glaube ich nicht wirklich”

Erst kürzlich hat AOL mit Patch.com seine Plattform für Hyperlokale-Nachrichten – den bislang größten Anbieter dieser Art – fallen lassen. In Deutschland, so scheint es oft, ist der Trend zur hyperlokalen Onlinezeitung erst im Entstehen.

In einem Artikel stellten wir drei Beispiele von Hyperlokalen Nachrichtenseiten vor und baten dann die Verantwortlichen, uns einige Fragen zu dem Thema zu beantworten. Julian Heck, der Kopf hinter dem hessischen weiterstadtnetz.de, war so freundlich dieser Bitte nachzugehen:

 

Wie würden Sie Weiterstadtnetz beschreiben?

weiterstadtnetz.de ist eine hyperlokale Online-Zeitung, die ihren Fokus zu 98 Prozent auf Weiterstädter Themen hat. Es ist ein journalistisches Produkt nach journalistischen Kriterien, welches aber noch nicht seinen endgültigen Stil gefunden hat (wer hat das schon?).

Wo sehen Sie die Vorteile von Hyperlokalen Nachrichtenseiten gegenüber traditionellen Medien?

Hyperlokale Nachrichtenseiten haben ihren Vorteil in ihrem begrenzten geografischen Gebiet der Berichterstattung. Sie konzentrieren sich fast ausschließlich auf ihre Stadt, ihren Bezirk oder gar ihre Straße und vernachlässigen überregionale Themen, wenn sie nicht von lokaler Bedeutung sein könnten. Die Ressourcen können somit voll und ganz in die Lokalberichterstattung gesteckt werden, was sich oftmals an der Qualität positiv bemerkbar macht. Traditionelle Medien versuchen durch ein möglichst universelles Angebot massentauglich zu sein – nichts Halbes und nichts Ganzes. Hyperlokale Medien bedienen nur ein gezieltes Gebiet, dafür aber detaillierter.

Der Bürgerjournalismus wird meist entweder als die Zukunft des Journalismus gepriesen oder für das Zeitungssterben verantwortlich gemacht. Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Bürgerjournalismus ist im richtigen Maße ein sinnvolles Element für ein gutes journalistisches Konzept. Fatal ist es, wenn ein Verlag quasi ausschließlich auf Bürgerjournalisten setzt, um Kosten zu sparen. Letztendlich spart der Verlag dann nämlich auch an der Qualität und nimmt dafür einen minderwertigen Journalismus in Kauf. Professionelle Journalisten sind wichtig, um Informationen entsprechend aufzubereiten, einzuordnen und mit einem kritischen Auge zu betrachten. Das heißt nicht, dass Bürger nichts zu sagen haben. Der Austausch mit ihnen, das Einbeziehen in Form von Meinungsbeiträgen oder Informationslieferanten ist gut und sehr sinnvoll, aber eben nur als Ergänzung. Ob das dann noch Bürgerjournalismus heißt oder nicht, das spielt keine Rolle.

Sowohl etablierte Medienhäuser wie auch unabhängige Online-Nachrichtzeitungen sind letztendlich auf finanzielle Einnahmen angewiesen, um langfristig bestehen zu können. Daher wird vermehrt die sogenannte „Paywall“ eingeführt. Wie können Hyperlokale Nachrichtenseiten profitabel werden?

Gleich vorweg: Die eine richtige Antwort kann ich gewiss nicht liefern, sonst wäre ich wohl ausgebuchter Medien- und Finanzberater. Aber es gibt einige Faktoren, die ein erfolgreiches Wirtschaften beeinflussen, zum Beispiel inhaltliche Qualität, ein gutes Redaktions-Leser-Verhältnis und einen langen Atem bei der Ansprache von lokalen Geschäften. Wenn diese drei Punkte erfüllt sind, könnte sich ein hyperlokales Magazin durch Anzeigen und ggf. Leserspenden, freiwilligen Abos oder ähnlichem finanzieren. Dass das nicht einfach ist und lokale Geschäfte – gerade auf dem Land – schwer von Werbung im Internet zu überzeugen sind, das muss jedem Betreiber bewusst sein. An Paywalls im Hyperlokalen glaube ich nicht wirklich, zumindest nicht in der Form, wie sie bis jetzt praktiziert werden.

Über welchen Bericht oder welche Geschichte, die auf Weiterstadtnetz veröffentlicht wurde, sind Sie besonders stolz bzw. welche Story ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Besonders stolz bin ich auf die gesamte Berichterstattung im Rahmen der Bürgermeisterwahl im August 2013, weil wir hierbei die Möglichkeiten, die das Internet bietet, voll ausgenutzt haben (Liveticker, Audio, Video, etc.) und den anderen lokalen Medien immer mehrere Nasenlängen voraus waren.

 

Weitere Informationen über Julian Heck findet ihr hier:

http://julianheck.wordpress.com/