Das Smartphone – Allzweckwerkzeug für mobile Journalisten

Das Smartphone – Allzweckwerkzeug für mobile Journalisten

Ein Gastbeitrag von Martin Jakubowski

Das Smartphone ist für mobile Bürgerjournalisten das wichtigste Handwerkszeug. Vereint es das Diktiergerät, das Telefon, den mobilen Internetanschluss und nicht zuletzt die Kamera. Kein Alukoffer mit Ausrüstung ist nötig, um eine Nachricht, oder gar eine Reportage „in den Kasten“ zu kriegen. Texte, Audio-, Video- und Bildmaterial können per Internet an die jeweilige Institution oder Redaktion gesendet werden. Das kleine Büro in der Westentasche. Und doch sind viele mobile Reporter oft unzufrieden mit den Fotos und Videos ihres Smartphones. Woran liegt es?

titl2Die neueren Smartphones der mittleren und höheren Preislage haben durchweg brauchbare bis gute Kameras. Bei einigen hapert es aber an der Software. Wenn ich mir ein Premiumhandy wie das iPhone 5S anschaue und auch die technischen Einzelheiten kenne, kann ich nur den Kopf schütteln. Dieses Gerät besitzt ein ordentliches Objektiv und einen guten Sensor. Beides ist für die Bildqualität von enormer Wichtigkeit. Das Objektiv fängt die Lichtstrahlen ein, und gibt sie gebündelt an den Sensor, der in der digitalen Fotografie den Film ersetzt, weiter. Doch die Software? Keine Möglichkeit von Serienaufnahmen, kein Schutz gegen Verwackelungen, kaum individuelle Einstellmöglichkeiten. Um die Hardware der Smartphone-Kamera optimal ausnutzen zu können, helfen nur noch Apps. Für das besagte iPhone kann beispielsweise die App Hipstamatic ausprobiert werden. Damit können Blitze, Objektive und Filter virtuell simuliert und ausgetauscht werden. Dazu gibt es noch 10 kostenpflichtige Erweiterungen. Glauben Sie mir, das macht Spaß. Nun möchte ich nicht weiter auf die Vor- und Nachteile verschiedener Betriebssysteme, geschweige denn Hersteller, eingehen. Durch die hohe Anzahl an Apps, insbesondere für Android und iOS, verlieren die Nutzer schnell den Überblick. Für mein eBook habe ich sehr viele getestet, die besten sind im Buch beschrieben.

Nicht nur Blogger oder Aktivisten des arabisch Frühling, sondern auch Profis haben das Smartphone für sich entdeckt. Der New York Times-Fotojournalisten Damon Winter veröffentlichte eine Reportage über Soldaten im Afghanistankrieg. Die Veröffentlichung auf der Titelseite der New York Times und der Pulitzer-Preis waren zwei Auszeichnungen dafür. Die Smartphone-Fotos wurden ausschließlich mit der Hipstamatic-App  bearbeitet. In einer Stellungnahme behauptet Winter, dass seine Motive authentische Momentaufnahmen und unmanipulierte Inhalte transportierten. Und Richard Koci Hernandez, ebenfalls ein bekannter Fotoreporter und Multimediajournalist, gefällt vor allem „Eine Szene so nah und so verantwortungsbewusst wie möglich wiederzugeben“, wie er in einem Interview von Zeit-Online bemerkte.

Nun noch ein Blick auf die neuen kulturellen Errungenschaften, die uns die Smartphone-Fotografie gebracht hat. Nehmen wir doch einfach das Selfie, das mit dem Handy geschossene Selbstporträt. Selfie ist das Wort des Jahres 2013 in Großbritannien. Laut einer Studie des Oxford Dictionary Instituts sind etwa 30% aller Smartphone-Fotos der 18-24jährigen diese Selbstporträts der heutigen Zeit. Das Wort sei im Vergleich zu 2012 um 17.000% gestiegen, heißt es in der Studie. Inzwischen sind Bilder um die Welt gegangen, mal mit dem Papst, mal die Obama-Töchter und auf Instagram nahezu täglich neue von Heidi Klum oder Justin Biber. Einige Tipps für das perfekte Selfie habe ich nicht nur in meinem Buch, sondern auch im Blog zum eBook veröffentlicht.

Mein neuestes Testobjekt ist die Aufsetzkamera QX10 von Sony zusammen mit meinem Smartphone und einem Handstativ, wie Snowboarder es gerne zusammen mit einer Actionkamera benutzen. So viel sei schon verraten: Ich machte ein Video von mir selbst. Den Ton nehme ich mit dem Audiorekorder des Smartphones synchron auf. Die Kamera hängt an dem Handstativ, welches aussieht wie eine Angel. Die Ergebnisse sind überraschend gut, eine ordentliche semiprofessionelle Qualität. Warum ich für diese Tests einsame Wege z.B. in der Wahner Heide und nicht rund um den Kölner Dom bevorzuge? Was würden Sie denn denken, wenn da jemand mit einer Angel durch die Gegend läuft, und dabei auch noch mit dem schwarzen Knubbel an der Angelspitze redet? Wenn Sie so einem im Wald begegnen, könnte ich es sein.

Momentan arbeite ich an der zweiten Auflage des eBooks „Smartphone-Fotografie – Das Praxisbuch“. Das Medium eBook bietet du Möglichkeit den Kunden die Neuauflagen bzw. Updates kostenlos anzubieten. In diese werden auch die Anregungen der Leser eingearbeitet, welche an eine eigens dafür eingerichtete E-Mailadresse gesendet werden. So behält das Buch seine Aktualität und gewinnt an Dynamik. Das eBook wird um das Kapitel „Zubehör“ erweitert. Neben der bereits erwähnten Aufsetzkamera berichte ich unter anderem über meine Erfahrungen mit Stativadaptern, Stativen und Aufsetzobjektiven.

Martin Jakubowski

Martin Jakubowski ist Magister der Pädagogik, ausgebildeter Film- und Medienmanager und begeisterter Fotograf. Hauptberuflich arbeitet er als Dozent für multimediale Anwendungen.

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