Keine Urlaubsfotos mehr? Was in Ungarn zu beachten ist

Keine Urlaubsfotos mehr? Was in Ungarn zu beachten ist

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Eine am 15. März dieses Jahres eingetretene Gesetzesänderung verunsichert Fotografen und Fotojournalisten, die in Ungarn ihr Geld verdienen. Denn diese machen das Fotografieren von Personen im öffentlichen Raum, bei entsprechender Einhaltung der Gesetze, zu einer Jagd nach Einwilligungen.

NoCam

Die bisherige Gesetzeslage aus dem Jahr 1959 sah die Möglichkeit vor, Privatpersonen fotografieren zu können sofern nicht der Publikation bestimmt. Wie auch in Deutschland (siehe Recht am eigenen Bild) war eine Einwilligung nur im Fall einer Veröffentlichung nötig. Das neue Gesetz sieht vor, dass allein der Vorgang des Aufnehmens gegen das Bildnisrecht verstößt.

Personen des öffentlichen Lebens sowie die Aufnahme mehrerer Personen sind hiervon zwar nach wie vor ausgenommen, doch ist in dem neuen Gesetz nicht klar geregelt nach welchen Kriterien diese bestimmt werden. Polizisten beispielsweise, haben – wie in vielen anderen Ländern auch – ein Recht auf ihr eigenes Bild. Dass hierdurch ein Missbrauch durch die Gesetzeshüter stattfinden kann, haben vor allem Fälle in den Vereinigten Staaten von Amerika gezeigt.

Man kann natürlich fragen, ob es aus Gründen der Höflichkeit nicht sowieso selbstverständlich ist, fremde Personen nicht ohne deren Einwilligung zu fotografieren. In der Praxis, vor allem dann, wenn man viele Fotos macht, wird es sich kaum vermeiden lassen, ab und an Personen “aus Versehen” mitzufotografieren.

Und rein theoretisch könnte eine Person, die vor ihre Linse läuft während sie das Opernhaus in Budapest fotografieren, einen für diesen Gesetzesbruch verklagen.

Was die Menschen in Ungarn letztendlich mit ihrem neuen Bildnisrecht anfangen, ist noch nicht absehbar. Höchstwahrscheinlich können wir auch in Zukunft problemos Urlaubsfotos schießen ohne dabei eine ungarischen Klagewelle zu befürchten. Vermutlich werden vor alledem jene, die bereits im Licht der Öffentlichkeit stehen, nun mehr auf ihr Recht als Privatperson pochen.


vgl. http://www.photographyblog.com/news/did_hungary_just_kill_photojournalism/; http://www.heise.de/foto/meldung/Ungarn-Fotos-von-Privatpersonen-nur-noch-mit-Einwilligung-2146467.html
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*Dieser Artikel soll lediglich als Hinweis dienen und ersetzt keine Rechtsberatung.