Ein Promi, ein Tweet, eine Millionenklage – oder: Die hohe Kunst des Foto „sharens“

Ein Promi, ein Tweet, eine Millionenklage – oder: Die hohe Kunst des Foto „sharens“

#51

Zugegeben: Folgendes Szenario wird die Mehrheit der Nutzer von sozialen Netzwerke niemals treffen, doch zeigt der aktuelle Fall der Schauspielerin Katherine Heigl gegen die New Yorker Apothekenkette Duane Reade, wie man allein durch Unbedachtheit in ein juristisches Fettnäpfchen treten kann.

Anfang des Jahres hatte ein Paparazzo ein Foto von Katherine Heigl aufgenommen, auf welchem zu sehen ist, wie sie mit zwei vollen Einkaufstüten eine Duane Reade Filiale verlässt. Das auf der Klatschseite Just Jared veröffentlichte Bild nutzten die Marketing-Leute der Apothekenkette im März dann dazu, um auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit den Worten „Even @KatieHeigl can’t resist shopping #NYC’s favorite drugstore“ auf sich Aufmerksam zu machen. Nun fordert die Schauspielerin Entschädigung in Höhe von 6 Millionen US-Dollar.

In Bezugnahmen auf diesen Fall, klären Experten in dem Artikel 4 Ways to Avoid Being Sued by a Celebrity Over a Tweet (Adweek) darüber auf, was Firmen bei der kommerziellen Nutzung von Bildern im Web beachten sollten. Auch wenn diese sich auf das amerikanische Recht beziehen, dürften folgende Aussagen auch auf das deutsche Recht anwendbar sein.

  1. Auch wenn das Retweeten (die share-Funktion in Twitter, Anm. d. Red.) von Bildern normalerweise kein rechtliches Problem darstellt, ist die kommerzielle Verwendung eines Fotos problematisch. In diesem Fall sollte man das Foto genau so behandeln, wie man es auch bei einer Printwerbung machen würde.
  2. Zuerst sollte man daher die Nutzungsrechte vom Besitzer erwerben sowie das Einverständnis der abgelichteten Person (wenn dieses nicht bereits vorliegt) einholen.
  3. Für Duane Reade wäre es eine Alternative gewesen, das Bild der Schauspielerin, das bei Just Jared erschien, ohne zusätzliche Kommentare zu Retweeten. Hier weist die Expertin aber darauf hin, dass dies ebenfalls eine juristische Grauzone darstellt.
  4. Ebenso ist auf die Wortwahl des Tweets zu achten: Der Tweet der Apothekenkette hätte weniger wie Werbung klingen sollen und mehr wie ein Dankeschön.
  5. Den größten Fehler, den Duane Reade letztendlich begann war, dass sie auf die Bitte von Heigl hin den Tweet nicht entfernten – erst nach deren Weigerung leitete die Schauspielerin rechtliche Schritte ein.

Übrigens: Falls Heigl den Prozess gewinnt, will sie das Geld ihrer Tierschutzorganisation Jason Debus Heigl Foundation stiften.

 


vgl.
http://www.adweek.com/news/advertising-branding/four-ways-avoid-being-sued-celebrity-over-tweet-156963
http://blog.sfgate.com/dailydish/2014/04/09/katherine-heigl-sues-duane-reed-over-twitter-pic/

*Dieser Artikel soll lediglich als Hinweis dienen und ersetzt keine Rechtsberatung.