Erst stehlen, dann beleidigen – oder: Die hohe Kunst des Foto „sharens“, Teil 2

Erst stehlen, dann beleidigen – oder: Die hohe Kunst des Foto „sharens“, Teil 2

#53

Erst kürzlich berichteten wir über den Streit zwischen der Apothekenkette Duane Reade und der Schauspielerin Katherine Heigl. Erstere hatten ein Foto von Heigl benutzt, um auf Twitter für sich zu werben. (siehe #51)
Nun wurde ein weiterer Streitfall beigelegt, der durch die Verwendung eines Fotos auf Facebook ausgelöst wurde. Hier hatte eine amerikanische Rockband das Foto eines Fotografen, ohne dessen vorherige Einwilligung, gepostet.

 

Das Internet ist immer für eine Überraschung gut
Vor einigen Wochen stieß Rohan Anderson beim Surfen im Internet auf ein Foto, das ihm sehr vertraut war. Es handelte sich um ein Bild, das der australische Fotograf auf einem Konzert der Band The Red Jumpsuit Apparatus einige Monate zuvor gemacht hatte. Nur fiel die Freude darüber, dass die bekannte Rockband sein Foto so gut fand, dass diese es mit ihren Fans teilten, gering aus.

Vermutlich wäre die Freude größer ausgefallen, hätte die Band zumindest einen Dank an den Fotografen hinzugefügt – oder einfach dessen Namen genannt. Doch stattdessen wurde das Wasserzeichen mit Andersons Logo am unteren Ende des Fotos weggeschnitten, das Bild mit einem Filter bearbeitet und für den Upload komprimiert.

Hier das bearbeite Foto > und das Original >

 

Als würde man gegen eine Wand reden
Daraufhin wendete sich der, in Sydney lebende, Fotograf an das Management der Band und bat sie darum, das Foto entweder sofort zu entfernen oder dafür zu bezahlen. Dies führte aber nur dazu, dass dem Facebook-Post mehrere Stunden später der Name des Urhebers beigefügt wurde.

Mit einer weiteren Email an das Management versuchte Anderson dann seinen Rechtsanspruch geltend zu machen und bekam eine unerwartete Antwort. Das Management stellte hierin die Behauptung auf, dass ihm keine Rechtsansprüche zustünden, da das Foto nicht für kommerzielle Zwecke genutzt würde und das Recht am eigenen Bild schließlich bei der abgelichteten Person liege. Obendrauf wurde Rohan Anderson anschließend lebenslanges Konzertverbot erteilt.

Erst nach weiteren Mails, in denen das Management von The Red Jumpsuit Apparatus ähnlich unprofessionell antwortete, wurde das Bild – nachdem es bereits 48 Stunden auf Facebook zu sehen war – gelöscht.

 

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus
Um seinem Ärger über diesen Vorfall Luft zu machen, veröffentlichte Anderson die Korrespondenz auf seinem Blog. Die Band, oder deren Social Media Manager, machten sich daraufhin auf Twitter über den Blogeintrag lustig und der Hashtag #rohanisatool wurde eigens erfunden, in der Hoffnung die Fans würde die Band unterstützen. Doch ging diese Offensive nach hinten los: Die Internetcommunity, die über Reddit auf den Fall aufmerksam wurde, verteidigte Anderson über Twitter.

Das Management der Band musste letzten Endes zurückrudern und sich bei Rohan Anderson öffentlich entschuldigen. Und inzwischen wurde der Fotograf auch für sein Foto bezahlt.

 



siehe:
http://www.rohanandersonphotography.com/red-jumpsuit-apparatus-copyright-violation/
http://www.syracuse.com/entertainment/index.ssf/2014/04/red_jumpsuit_apparatus_photgrapher_steal.html
http://petapixel.com/2014/04/21/band-responds-worst-way-possible-stealing-photographers-work/