Was wir von Hollywood-Regisseur Michael Bay lernen können

Was wir von Hollywood-Regisseur Michael Bay lernen können

#84

Allein der kommerzielle Erfolg von Michael Bay Filmen bringt einen dazu den Regisseur und Filmproduzenten in die Popcornkino Schublade zu stecken. Doch ist das nur Ergebnis einer antiquierten Sicht, abgeschaut von Filmkritikern die a priori gegen das sogenannte Mainstreamkino wettern? Kann ein Regisseur trotz inhaltsleerer Drehbücher nicht doch Kunst erzeugen?

Nein! So zumindest lautet das Urteil des Filmbloggers Tony Zhou. In einem zirka neunminütigen Clip liefert er auch den Beweis hierfür. Denn die von ihm „Bayhem“ genannte Filmsprache sei im Grund keine. Die einen mögen jetzt denken: „Wozu neun Minuten. Schaut euch doch nur die Filmtitel an!“ Während andere vielleicht denken: „Kino soll Spaß machen und keine akademische Lehrstunde sein!“. (Ich würde mich irgendwo dazwischen einordnen, wobei mich die filmische Zusammenarbeit von Scorsese und Ballhaus eher beeindruckt.)

Interessant ist in der Tat nicht die Demontage von Michael Bays Filmschaffen, sondern die Darlegung durch Zhou. Denn, ob nun Bay Liebhaber oder Kritiker, lernen kann man hierbei allemal etwas über Bildsprache und Kameraführung. Dinge die man vorher nur unbewusst wahrgenommen hatte, bringt Zhou durch gekonnte Zusammenstellung von Filmauszügen auf den Punkt.

 

Michael Bay – What is Bayhem? from Tony Zhou on Vimeo.

 

Allen Murabayashi, Gründer von Photoshelter, weist auf den wohl stärksten Satz von Tony Zhou hin: „Whether we like it or not, the interesting thing here is that we’re really visually sophisticated, and totally visually illiterate. We can process visual information at a speed that wasn’t common before. But thinking through what an image means? Not so much.”*
Eine ähnliche Entwicklung sieht Murabayashi auch in der Fotografie. Denn obwohl so viele Fotos gemacht und auch angesehen wie nie zuvor, scheint die Bilderflut nicht den Effekt zu haben, dass sich Menschen eingehender mit der Materie befassen. Natürlich werden sich auch hierüber die Geister scheiden.

Unstrittig (oder?) ist, dass die Smartphone Generation eine eigene Bildsprache entwickelt. Besonders auffallend die übertriebende Nutzung sogenannter Fotofilter, die fehlendes Talent kaschieren sollen. Oder fehlende Inhalte. Und damit wären wir wohl wieder bei Michael Bay angelangt.

 

P.S.
Für den Fall, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Michael Bay nicht kennen, hier eine Auswahl seiner Werke:

  • Bad Boys 1 & 2
  • Transformers 1, 2, 3 & 4
  • Armageddon
  • Pearl Harbor
  • The Rock

 


* Ob es uns gefällt oder nicht, ist hieran interessant, dass unsere visuelle Wahrnehmung hochentwickelt ist und wir dabei visuelle Analphabeten bleiben. Wir können visuelle Informationen mit einer Geschwindigkeit verarbeiten, die früher nicht üblich war. Aber darüber nachdenken, was ein Bild bedeutet? Nicht wirklich.