“Das Schöne an der Fotografie ist, dass wir sie nie ‘auslernen’ können”

“Das Schöne an der Fotografie ist, dass wir sie nie ‘auslernen’ können”

Mit “Das grosse Lehrbuch Digitale Fotografie” bringt der Fotograf Martin Zurmühle sein neuestes Buch auf den Markt. Es richtet sich an ambitionierte Fotografen und Fotografinnen, die ihr “Werkzeug” besser verstehen möchten. Der Fotograf weiß wovon er schreibt, bietet er doch selbst Fotolehrgänge und Workshops an. Und zwischen dem Schreiben und den Lehrtätigkeiten, widmet er sich seiner Passion der Aktfotografie.

 

Im August erscheint Ihr Buch Das grosse Lehrbuch Digitale Fotografie. Worin sehen Sie – verglichen mit ähnlichen Werken – die Stärken ihres Lehrbuchs?

Mein Lehrbuch umfasst das Wissen, das ein ambitionierter Fotograf in der digitalen Fotografie benötigt. Es beinhaltet den Lehrstoff meines zweijährigen Fotolehrgangs. Dabei beschränkt sich das Buch nicht nur auf die technischen Grundlagen, sondern legt einen grossen Schwerpunkt auf die Bildgestaltung und die Bildanalyse. Natürlich werden auch die Bildbearbeitung und viele verschiedene Spezialtechniken und fotografische Themen vorgestellt. Etwas Besonderes ist vielleicht auch die Zusammenfassung der Fotogeschichte mit den wesentlichsten Erfindungen und den wichtigsten Fotografen und die Hinweise zur Entwicklung einer eigenständigen Bildsprache. Eine weitere Besonderheit sind die viele Kontrollfragen und Übungen.

Als Amateur, der gerade erst mit der Fotografie beginnen möchte, steht man meist ratlos vor einer großen Auswahl an Buchtiteln. Welche Bücher haben Ihnen in den Anfangsjahren geholfen, und welche würden Sie weiterempfehlen?

Ich habe sehr viele Lehrbücher gelesen. Am stärksten beeinflusst wurde ich von den Büchern von Andreas Feininger und John Hedgecoe, die noch immer am Markt erhältlich sind.

Das Buch umfasst 10 Abschnitte mit 75 Kapiteln. Klingt nach viel Arbeit, die Sie hier investiert haben. Was hat Ihnen am Arbeitsprozess am meisten gefallen, und auf was hätten sie auch gerne verzichten können?

Ich schreibe sehr gerne Lehrbücher und eigentlich haben mir alle Abschnitte Spass gemacht. Wenn ich etwas Geduld benötigt hatte, so war das im Bereich der Bildbearbeitung. Die Beschreibung der verschiedenen Bearbeitungsschritte ist nicht immer sehr spannend. Besonders Freude macht es mir natürlich über meine eigene Passion, die Aktfotografie zu schreiben.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

In Ihrem Fotostudio bei Luzern leiten Sie auch Kurse und Workshops. Glauben Sie, dass die Smartphone Fotografie dazu führt, dass immer mehr Menschen sich für die Thematik interessieren? Oder eher das Gegenteil?

Ich stelle beides fest. Die Einfachheit der Fotografie lässt heute sehr viele Menschen an der Fotografie teilhaben, und viele glaube zu Beginn vielleicht, dass ein Smartphone so ziemlich alles kann (ohne dass sie es lernen müssen). Mit der Zeit stellen dann aber viele Smartphone-Fotografen fest, dass ihre Bilder sehr wenig aussagen und kaum Wirkung entfalten (und auch technische Mängel zeigen). Dann beginnen sie sich für die Magie der starken Bilder zu interessieren und kommen vielleicht auch in meine Kurse.

 

Where Life Grows Kopie

 

Ihr Spezialgebiet ist seit 2002 die Akt- und Erotikfotografie. Es dürfte auch jetzt noch einige Menschen geben, denen nur bei dem Gedanken die Schamesröte ins Gesicht steigt.

Zum Glück für mich werden diese Menschen seltener. Ich bin Architekt, Lehrer und auch Auditor von Managementsystemen. Ich hatte in meinen Berufen noch nie eine negative Erfahrung wegen meiner Aktfotografie erleben müssen, obwohl ich immer offen sage, was ich tue. Ich glaube, wenn die Bildqualität immer sehr hoch ist, sehen die Leute, dass ich seriös arbeite.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

An für sich hatte ich bislang den Eindruck, dass es vor allem zwei Sorten von Fotografen (insbesondere bei den Amateuren) gibt: Diejenigen, die gerne Bauwerke fotografieren, und diejenigen, die vor allem Menschen fotografieren.

Es gibt auch eine grosse Gruppe, die Tier-, Natur- und Landschaftsaufnahmen macht. Und vielleicht am populärsten ist die Reisefotografie, die sehr viele verschiedene Aspekte der Fotografie beinhaltet.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Wie steht es mit Natur- und Landschaftsfotografie? Wann haben Sie zuletzt den Titlis fotografiert?

Mein Spezielgebiet ist die Landschaftsaktfotografie. Deshalb liebe ich auch die Natur und schöne Landschaften. Den Titlis habe ich zum letzten mal vor ein paar Jahren auch einer Bergwanderung fotografiert. Häufig fotografiere ich die Rigi, den Pilatus und im Winter auch das Matterhorn. Die Schweizer Alpen sind ein Eldorado für alle Landschaftsfotografen und für mich als Landschaftsaktfotograf ist das Tessin mit seinen Flüssen und Felsen perfekt.

Ich frage, weil ich vor längerer Zeit gelesen hatte, dass die Schweizer Ihre Berge dank der indischen Bollywood-Filme neu-entdeckt haben.

In der Nähe von Luzern liegt Engelberg. Neben Grindelwald ist dort der zweite wichtige Ferienort der Inder in der Schweiz. Ich betreibe aber die Landschaftsfotografie schon seit über 40 Jahren, sodass mich Bollywood nicht speziell inspirieren musste.

Kennen Sie einen Trick, wie man dasselbe Objekt, immer wieder auf’s Neue fotografisch „entdecken“ kann?
Dazu braucht es keinen Trick. Wir entwickeln uns in der Fotografie (wenn wir intensiv fotografieren) ständig weiter. Es lohnt sich deshalb, immer wieder an den gleichen Orten zu fotografieren. Wir werden immer wieder neue Bildausschnitte, Perspektiven und Einstellungen entdecken. Und anhand der Ergebnisse erkennen wird dann auch, welche Fortschritte wir in der Fotografie gemacht haben. Das Schöne an der Fotografie ist, dass wir sie nie “auslernen” können. Wir entwickeln uns das ganze Leben lang weiter und entdecken immer wieder neue Seiten im grossen “Buch” der Fotografie.

 

Zum Buch:

Das grosse Lehrbuch Digitale Fotografie
Dieses Lehrbuch der digitalen Fotografie von Martin Zurmühle zeigt Ihnen, was es alles braucht, um gute und wirkungsvolle Bilder aufzunehmen. In 10 Abschnitten und 75 Kapiteln werden die wesentlichen Fragen rund um die digitale Fotografie erörtert: Kamera, Sensor, Objektiv, Aufnahme, Spezialtechnik, Licht, Gestaltung, Bildbearbeitung, Themen und Geschichte. Mit Fragen und Übungen überprüfen und vertiefen Sie Ihr Wissen.
Lehrbuch Zurmühle Titelseite RZ.indd
Dieses Buch richtet sich an Amateurfotografen, die die Grundlagen der digitalen Fotografie lernen möchten. Alles, was in der fotografischen Praxis benötigt wird, wird erklärt. Neben der Kamera-, Licht- und Aufnahmetechnik werden die Regeln der Bildgestaltung und Bildbearbeitung behandelt und fotografischen Themen, Spezialtechniken und die Geschichte der Fotografie vorgestellt.

 

Zum Autor:

Geboren 1956 in Luzern (Schweiz).
»Ich bin in Luzern geboren und aufgewachsen. Nach dem Gymnasium studierte ich Architektur an der ETH in Zürich. Seit meinem Diplom führe ich ein kleines Architekturbüro in Luzern. Seit 2002 betreibe ich ein Fotostudio (www.fokus-fotos.ch) und eine Fotoschule in Ebikon bei Luzern. 2005 habe ich meine Ausbildung zum Ausbilder mit eidgenössischem Fachausweis erfolgreich abgeschlossen. Seit meinem 16. Lebensjahr fotografiere ich mit Leidenschaft in verschiedenen Bereichen der Fotografie. Heute habe ich mich auf die digitale Akt- und Erotikfotografie spezialisiert (www.zmart.ch). Mit viel Freude und gutem Erfolg nehme ich an nationalen und internationalen Fotowettbewerben teil und meine Bilder werden regelmässig an Ausstellungen und in Zeitschriften und Büchern gezeigt. Durch meine langjährige Erfahrung in der Erwachsenenbildung, wollte ich mein Wissen auch anderen ambitionierten Fotografen weiterzugeben. Ich habe deshalb 2003 die Aktschule.ch (www.aktschule.ch) gegründet, die sich der People- und Aktfotografie widmet. Zwei Jahre später gegründete ich die Fotoschule.biz (www.fotoschule.biz), die ein breites Schulungsangebot im Bereich der digitalen Fotografie anbietet. Seit 2005 schreibe ich Lehrbücher zur digitalen Fotografie, zur Aktfotografie und zu speziellen Themen wie die Bildanalyse, die Bildbewertung und die Bildsprachen der Fotografie. Ich bin seit 1985 mit meiner Frau Julia verheiratet und habe zwei Kinder (Daniel – 1993 und Sarah – 1994).«

Fotos:
“Big Natur Small Man”, “Midtown Manhattan”, “Where Life Grows”, “Pearl Diver”, “Four Friends” von Martin Zurmühle