Photo 101: Rechte Wirrwarr

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Auf unserem Blog widmen mir uns oft dem Thema Bildrecht, also legalen Fragen die das Fotografieren oder das Filmen betreffen. Das Problem ist, dass die Formulierungen der betreffenden Gesetze Spielraum für verschiedene Interpretationen lassen. Zudem werfen neue Technologien (Wearables, Drohnen) neue Fragen auf. Unsere Blogbeiträge sollen in erster Linie auf die rechtlichen Schwierigkeiten hinweisen. Bei komplexen Sachverhalten hilft nur der Gang zum Fachanwalt.

 

Nena und das Fotoverbot

Gerade erst sorgten Popstar Nena bei ihren Fans für Unmut, weil während ihres Auftritts beim Saar-Spektakel ein deutliches Bild-, Ton und Filmaufnahmen Verbot erteilt wurde. Solch strenge Regelungen betreffen in der Regel nur akkreditierte Pressefotografen, also jene, die die Bildaufnahmen kommerziell weiterverwerten.
Auch wenn es schade für die Fans ist: Rein rechtlich gesehen, geht das Verbot in Ordnung, denn gemäß den Paragrafen (§§) 77, 78 UrhG besitzt der Künstler diesbezüglich ein Leistungsschutzrecht.

Ganz anders sieht es aus, wenn man einen Prominenten im öffentlichen Raum begegnet und fotografiert. Erst kürzlich stolperte ich über eine Fotowebseite, die darauf hinwies, dass der Verkauf von Promibildern nur mit deren ausdrücklichen Genehmigung erlaubt sein Die Aussage verwundert, fallen diese in die Kategorie „Personen der Zeitgeschichte” – was deren Bildnisrecht zwar nicht vollkommen aufhebt, aber den Fotografen doch mehr Spielraum gibt.

 

Bildnisrecht – Du sollst nicht andere Menschen fotografieren

100%-ige Rechtssicherheit besteht wohl nur dann, wenn man das Fotografieren gleich sein lässt. Da das in einer Welt der Smartphones, Instant Messenger und Social Networks sehr unpraktisch ist, sollten für den Beginn die wichtigsten Rechte abgeklärt werden.

Laut §22 KunstUrhG dürfen Aufnahmen einer Person nur verbreitet (hierzu zählt allein schon, wenn man es einer anderen Person zeigt) werden, wenn diese auch einwilligt. Diese Einwilligung muss nicht schriftlich sein, ist für eine geplante kommerzielle Verwertung aber sinnvoll. Bei Minderjährigen (kann u.U. auch Menschen mit Behinderung betreffen) bedarf es übrigens der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters.

 

„Personen der Zeitgeschichte“ – Du sollst nicht in die Privatsphäre eindringen

Wie oben bereits erwähnt, kann man Prominente juristisch als „Personen der Zeitgeschichte“ betrachten. Daher ist das Fotografieren von berühmten Personen und auch der Verkauf der Fotos erlaubt, sofern nicht andere Rechte (z.B. Hausfriedensbruch) hierbei gebrochen werden. Auf die Aufnahme von deren Nachwuchs sollte hingegen verzichtet werden.

 

Versammlungen und Aufzüge – Du sollst die Menge im Blick behalten

Ein weitere Ausnahme zum Bildnisrecht stellt das Fotografieren von Menschenmengen dar. Zum Glück, denn sonnst müsste man jeden Menschen einzeln um Erlaubnis bitten und wäre wohl erst ferig, wenn die Veranstaltung vorbei ist. Hauptsache ist, dass nicht eine einzelne Person exponiert zur Schau gestellt wird.

 

Personen als Beiwerk – Du sollst nicht den Fokus verlieren

Ebenso erlaubt ist es Menschen „zufällig“ zu fotografieren. Ist man z.B. gerade dabei einen berühmten Dom zu fotografieren und just in dem Moment läuft Herr Müller vorbei, dann verstößt man nicht gegen das Recht. Es sollte aber klar erkennbar sein, dass nicht er im Fokus des Bildes steht.

 

Panoramafreiheit – Du sollst von außen fotografieren

Bauwerke kann man, sofern man sich während der Aufnahme auf einem öffentlichen Platz aufhält, fast immer legal fotografieren. Vereinzelte Ausnahmen gibt es auch hier. So darf man Bilder vom Eiffelturm bei Nacht nicht verkaufen, da sich die SETE illuminations die Rechte an der Beleuchtung gesichert hat.

Aufnahmen vom Inneren der Gebäude unterliegen jedoch dem Hausrecht. Hier sollte man also besser eine Einwilligung einholen.

 

Hausrecht heißt allerdings nicht, dass das Haus das alleinige Recht hat

So zum Beispiel hatte ein Gast geklagt, weil eine Diskothekenbesitzer sein Foto ohne dessen Einwilligung im Internet veröffentlicht hatte. Der Besitze argumentierte damit, dass auf jeder Party Fotos gemacht würden und zudem neben der Kasse ein Schild angebracht gewesen war, wonach jeder Gast automatisch mit einer Bildaufnahme einverstanden sei. Das Gericht wies dies aber als unzulässig ab.

 

Folgende Punkte solltet ihr also immer im Hinterkopf behalten:

  • Die Veröffentlichung und Vervielfältigung von Fotografien ist immer mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn in 99% der Fälle nichts passiert, kann eine einzelne Klage sehr teuer werden.
  • Zur Sicherheit sollte man daher, wenn man eine andere Person fotografiert, diese darüber in Kenntnis setzen und aufklären, was man mit dem Foto vorhat.
  • Für den Weiterverkauf sind die gesetzlichen Regelungen strenger!
  • Zudem ist die Rechtslage in jedem Land anders, so gibt es in Ungarn beispielsweise strengere Regelungen als in Deutschland.
  • Das Wissen, dass alle Anderen es auch machen, schützt nicht vor einer möglichen Strafe.


Lesetipps: Am besten ihr lest noch unsere anderen Blogbeiträge zu Rechtsfragen oder unser Tutorial.

 

*Dieser Artikel soll lediglich als Hinweis dienen und ersetzt keine Rechtsberatung.