So schnell wird man bei Twitter seine Bildrechte los

So schnell wird man bei Twitter seine Bildrechte los

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An für sich könnte man die zynische Behauptung aufstellen, dass jeder, der heutzutage Fotos über Social Media Dienste teilt, selbst schuld trägt, wenn diese an einer anderen Stelle wieder auftauchen. Das trifft Laien genauso wie Profis. Und dies kann positive wie auch negative Folgen mit sich bringen.

Über die bekanntesten Fälle der vergangenen Jahre hatten wir an verschiedenen Stellen bereits berichtet. Hier ein Überblick:

  • Der Amerikaner Janis Krums veröffentlichte als erster ein Foto des, im Hudson River notgelandeten, U.S. Airways Flug 1549 über Twitter. Bereits 34 Minuten danach wurde er vom Nachrichtensender MSNBC interviewt – wie in den Folgetagen auch von vielen weiteren nationalen und internationalen Publikationen. Wieviel Geld Krums letztendlich mit seinem verwackelten iPhone Foto verdient hat ist unbekannt. Der „Ruhm“ hierfür haftet ihm nach wie vor an.
  • Der Fotograf Daniel Morel, ebenfalls Amerikaner, reichte Klage gegen Agence France Press und Getty Images ein, die eines seiner Fotos ohne Erlaubnis verwendeten. Das Foto, das nach dem großen Erdbeben in Haiti 2010 entstanden war, hatte Morel auf Twitter gepostet. Im November 2013 sprach ihm ein US-Gericht 1.2 Mio Dollar Schadensersatz zu – allerdings wurde hiergegen Berufung eingelegt.
  • Die Schauspielerin Katherine Heigl klagte gegen eine Drogeriekette, die ein Paparazzi-Foto von ihr beim Verlassen einer Filiale als Werbung auf Twitter einsetzte. Der Fall wird zur Zeit noch vor Gericht verhandelt, Heigl verlangt 6 Mio US-Dollar.
  • Der Fotograf Rohan Anderson freute sich gar nicht, als eines seiner Konzert-Fotos der “The Red Jumpsuit Apparatus” von einem Band-Mitglied auf Facebook gepostet wurde. Denn statt den Namen des Fotografen zu nennen, wurde sein Logo noch nachträglich entfernt. Nach einem unschönen, öffentlichen Schlagabtausch, hat sich das Management entschuldigt und Anderson für sein Werk bezahlt.

Dass ausgerechnet der Kurznachrichtendienst Twitter sehr oft in den Schlagzeilen landet, liegt wohl an seiner Beliebtheit als unversiegbare Quelle für Neuigkeiten. An den, erfreulicherweise leicht verständlichen, AGBs kann es jedenfalls nicht liegen, unterscheiden sich diese doch kaum von den Mitbewerbern.

In einem der neuesten Fälle von Urheberrechtsstreitigkeiten, steht Amtrak (das amerikanische Pendant zur Deutschen Bahn) im Visier der kritischen Nutzer. So berichtet der Blog Techdirt über Amtraks Umgang mit den Fotos von Nutzern. Im vorliegenden Fall hatte ein Nutzer während der Fahrt ein Foto geschossen und dieses mit folgenden Worten auf Instagram gepostet:

 

On the way back from #SanDiego in #Amtrak #PacificSurfliner @ Del Mar Beach, San Diego http://t.co/IlLQBo2WI4

Über Twitter kam sogleich die Antwort:

We love this pic! Mind sharing with us? Click this link. http://pco.lt/1pmo7Fp

 

An für sich ist es immer lobenswert, wenn Unternehmen den Kontakt mit ihren Kunden suchen. Doch gäbe es keinen Pferdefuß, hätten wir uns kaum die Mühe gemacht, diesen Vorfall aufzugreifen.
Denn statt, wie normalerweise der Fall, das Foto zu teilen (retweeten, sharen etc.), wird der Nutzer darum gebeten den angegebenen Link zu klicken um sein Einverständnis zu geben. Auf der nun folgenden Seite tritt man – in der Regel ohne es gelesen zu haben – sämtliche Rechte an seinem Foto ab.

 

amtrak-photorights

 

Im Übrigen: Für Twitter gilt, dass man durch Übermitlung der Daten dem Dienst automatisch eine weltweite, nicht-exklusive, unentgeltliche Lizenz erteilt. Das bedeutet aber nicht, dass dadurch quasi jeder per “copy and paste” darauf zurückgreifen darf. Wie im Fall Morel, kann man sich bei Beschwerden an den Konzern wenden.

 

Bilder: “Rainbow Dash’s destroy Copyright” von GrandChaos900 – CC-BY-SA 3.0
“Screenshot fanbranded.com – Amtrak”