James Foley

James Foley

#103

Es ist traurig, dass wir in der kurzen Zeit, in der dieser Blog existiert, bereits das zweite Mal über einen Fotojournalisten berichten, der bei der Ausübung seines Berufs getötet wurde. So zollten wir Anfang April der getöteten Pulitzerpreisträgerin Anja Niedringhaus Tribut.

 

Exekution auf YouTube

James Foley war ein freischaffender amerikanischer Fotojournalist, der 2012 in Syrien in gekidnappt wurde. Über die Internetseite freejamesfoley.com versuchte dessen Familie seither die Freilassung des Fotojournalisten zu bewirken. Sein genauer Aufenthaltsort war bis zuletzt unbekannt.
Am 19. August 2014 veröffentlichte die ISIS ein Video auf YouTube, das angeblich die Enthauptung von James Foley zeige. Die Tat sei ein Racheakt aufgrund der amerikanischen Luftangriffe auf den Irak zwei Wochen zuvor. Kurze Zeit später wurde die Echtheit der Aufnahmen traurige Gewissheit.

Anscheinend in Referenz auf die Sträflingskleidung des Gefangenenlagers Guantanamo, zeigt das Video einen in orangener Kleidung gehüllten, kahlgeschorenen James Foley im Wüstensand kniend. Neben ihm steht der maskierte ISIS Kämpfer, der ihm kurze Zeit darauf mit einem Messer die Kehle durchschneiden wird.

Man muss das Video gar nicht erst gesehen haben, um allein bei der Vorstellung Abscheu und Trauer zu empfinden. Vielen Menschen wird in diesen Momenten erst bewusst, wie wichtig die Arbeit ist, die Journalisten in Krisengebieten leisten. Was man leichthin als unnötiges Spiel mit dem Risiko abtut, ist ein wichtiger Bestandteil der Informationsfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft.

Auf der Internetseite des GlobalPost, einer von Foleys Arbeitgebern, finden sich Ausschnitte aus dem Lebenswerk des Fotojournalisten.

Wie in solchen Fällen üblich, ist die weltweite Empörung über die Enthauptung groß, was die Antipathie gegen Muslime wohl verstärken wird. Daher ist es schön, dass auch versöhnliche Bilder im Netz geteilt werden. So posteten friedliche Demonstranten aus Kafranbel in Gedenken an James Foley ein Bild auf ihrer Facebook-Seite.

 

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Nur einer von Vielen

Noch trauriger allerdings ist die Tatsache, dass Anja Niedringhaus und der nun getötete James Foley nur zwei der insgesamt 31 Journalisten sind, die in diesem Jahr getötet wurden. Und mit dem ebenfalls im Video zu sehenden Steven Sotloff, könnte die Liste bald einen Neuzugang verzeichnen.

Das gefährlichste Land für Journalisten ist momentan Syrien, wo es in diesem Jahr sechs Tötungen gab. Für Europa erschreckend ist die Tatsache, dass die Ukraine mit vier Todesfällen ebenfalls eine Gefahrenzone darstellt. In Brasilien, dem Ort des Triumphes unserer Deutschen Fußballnationalmannschaft, starben in diesem Jahr zwei Journalisten.

 

Mehr Info über getötete Journalisten unter cpj.org

 

Fotos: By A1C Joshua Kleinholz [Public domain], via Wikimedia Commons und https://www.facebook.com/kafrnbl