Einblicke in die afroamerkanische Fotografie

Einblicke in die afroamerkanische Fotografie

#109

Der Dokumentarfilm Through a Lens Darkly: Black Photographers and the Emergence of a People erzählt die bislang kaum erzählte Geschichte der afroamerikanischen Fotografie. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine Heldensaga der afroamerikanischer Fotografen, die es in der Welt der „Weißen“ geschafft haben. Der Film von Thomas Allen Harris nutzt zum großen Teil private Fotoaufnahmen, um die Geschichte der Afroamerikaner, von der Sklaverei bis zur Gegenwart, zu konstruieren.

 

“Our salvation as a people,
as a culture depends on salving the wounds of this war.
A war of images within the American family album. “

 

Harris verwebt auch seine eigene Familiengeschichte in die Dokumentation ein, die zwischen Bildern aus diversen Fotoalben auch bekannte Fotografen und Wissenschaftler zu Wort kommen lässt.
Als Gegenbeispiele werden jene Bilder gezeigt, die die Öffentlichkeit sich in all den Jahren, vor aber auch nach dem endgültigen Ende der Rassentrennung 1964, von den Afroamerikanern geschaffen hat. Vom Sklaven, zum Täter zum Opfer – aber selten als Teil der gleichen Lebenswelt.

 

Ein Bild, dass die Fotoreporterin Margaret Bourke-White 1937 in Louisville, Kentucky aufgenommen hat, kann man in diesem Sinne nicht nur als Sozialkritik sondern als Persiflage des „American Way of Life“ deuten.

 

American_way_of_life

 

„Through a Lens Darkly“ wurde Anfang des Jahres 2014 bereits auf dem Sundance Film Festival wie auch der Berlinale gezeigt. Jetzt erst aber wird der Film, mit Aufführungen u.a. im MoMa, einer breiteren Öffentlichkeit in den USA gezeigt.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass dies gerade zu einem Zeitpunkt geschieht, wo Proteste in Missouri, als Folge der Ermordung von Michael Brown, die Stadt Ferguson in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit rückt.

Die New York Post kritisiert das Werk als teils zu akademisch. So würden die Fotos zu schnell durchs Bild gleiten und dem Zuschauer nicht die Möglichkeit geben, diese auf sich wirken zu lassen.
Wann und ob der Film auch wieder in Deutschland gezeigt wird, ist noch nicht bekannt.

 

Thematisch passend dazu hat der Fotojournalist Matt Herron gerade das Fotobuch Mississippi Eyes veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte von fünf jungen Fotografen, die in der Zeit kurz vor dem Ende der Rassentrennung im Süden der USA den gesellschaftlichen Umbruch dokumentieren und damit einen entscheidenden Bestandteil der jungen, amerikanischen Historie.

 

 

Und noch ein Hörtipp: Ein Beitrag über “Mississippi Eyes” auf WAMC.

 

„American way of life“ von AnaïsFernandes – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons
“Segregation 1938b” by John Vachon for U.S. Farm Security Administration – Library of Congress[1]. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons