Selbstporträt Syrien – Handyaufnahmen als Filmmaterial

Selbstporträt Syrien – Handyaufnahmen als Filmmaterial

#112

Am späten Abend des 15. September strahlte arte die Dokumentation Selbstporträt Syrien (orig. Ma’a al Fidda) aus. Außergewöhnlich an dem Dokumentarfilm von Ossama Mohammed ist, dass keine der Aufnahmen vom Regisseur selbst stammt. Für seinen Film schnitt er Videos, die er auf Internetplattformen fand, zu einer chronologischen Erzählung des Syrien-Konflikts zusammen. Vom Erwachen des Arabischen Frühlings in Syrien bis hin zum blutigen Bürgerkrieg.

Dies ist ein Film aus 1001 Bilder, aufgenommen von 1001 Syrern und Syrerinnen.
Und mir.

Schon nach knapp zwei Minuten wird klar, dass die Warnung an junge Zuschauer berechtigt und der Film in der Tat nichts für empfindliche Gemüter ist. Denn der Regisseur katapultiert den Zuschauer von der anfänglichen Entbindungsszene direkt zu Videoaufnahmen der Folterung eines jungen Mannes. Ohne Ton. Ohne Kommentar.
So bedrückend wie der Film begonnen hat, so endet er auch. Es schneit. Die Hintergrundmusik trägt trotz eines schlichten „Guten Tag“ zum kalten, unwohlen Gefühl bei. Als letztes Bild sieht man tiefrotes Blut wie es sich durch das pure Weiss des Schnees einen Weg bahnt. Dazu das Wort Liberté (dt. Freiheit).

Vor allem die verwackelten Handyaufnahmen, in oft schlechter Bildqualität, lassen den Dokumentarfilm von Ossama Mohammed authentisch wirken. Hierin liegt aber auch ein oft erwähnter Kritikpunkt: Da diese eben nicht von Journalisten stammen, sondern von Amateuren, wird ihnen jegliche Objektivität abgesprochen.

Wer sich gerne selbst eine Meinung zum Film bilden möchte, der kann sich die 92-minütige Dokumentation noch bis zum 22.09.2014 in der arte Mediathek anschauen.

Foto: By Voice of America News: Scott Bob report from Azaz, Syria. [Public domain], via Wikimedia Commons