Bewundernswert: Newsha Tavakolian gibt den Carmignac Award sowie Preisgeld zurück

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„I hereby return and officially step down as the 2014 laureate of the Carmignac Gestion Award for photojournalism.”

Die iranische Fotojournalistin Newsha Tavakolian hat in einer öffentlichen Erklärung die Zurückgabe des Carmignac Gestion Photojournalism Award bekanntgegeben. Als Grund nannte sie die Eingriffe in ihr künstlerisches Werk von Seiten der Stiftung.

Seit 2009 vergibt Carmignac Foundation die gleichnamige Auszeichnung an Fotojournalisten, die das Leben in konfliktreichen Regionen dokumentieren. Das Preisgeld von 50.000 Euro dient dabei als finanzielle Unterstützung, um die jeweiligen Fotoreportagen durchführen zu können.

So heißt es auf Seiten der Stiftung:

“The Carmignac Foundation undertakes to support the winner throughout the project by monitoring his/her progress in the field […].”

Allerdings hätte die Fotojournalistin wohl nicht damit gerechnet, dass sehr viel mehr Gewicht auf das „monitoring“ (dt. überwachen) gelegt werden würde, anstelle des „support“ (dt. fördern).

Am 11. September veröffentlichte Newsha Tavakolian eine Erklärung auf Facebook, in der sie bekannt gab, den Preis sowie das Preisgeld zurückgeben zu wollen.

Today I am announcing that due to irreconcilable differences over the presentation of my work, I am returning the cash award and stepping down as the winner of the Carmignac Gestion Award for photojournalism 2014, canceling all my cooperation with this foundation and its patron, the French investment banker Edouard Carmignac.

So habe Edouard Carmignac persönlich Einfluss auf die Fotoreportage nehmen wollen, indem er beispielsweise den Titel „Blank Pages of an Iranian Photo Album“ in den abgenutzten Titel „The Lost Generation“ ändern wollte. Mit der Titeländerung einher ging der Eindruck, dass die Stiftung ihr vorfabriziertes Bild „des Iran“ zum Ausdruck bringen wollte.

Recently I sent him a private email, in a last-ditch attempt to explain another reason why he should let me have control over my work. I explained that living in Iran as I do and where photographers can be arrested for what the government may deem offensive, he should refrain from changing the title of my work, making it unnecessarily controversial.

Als Antwort darauf und um dem ganzen Debakel die Krone aufzusetzen, erklärte die Stiftung, die iranische Regierung habe Druck auf die Künstlerin ausgeübt. Was laut Tavakolian keineswegs der Wahrheit entspricht.

Newsha Tavakolian, the 33 year old Laureate of the 5th edition of the Carmignac Gestion Photojournalism Award has pictured the Lost Generation in Iran during a 5 month work. Once the award has been announced, the Government has put the Laureate and her family under severe pressure. In order to protect Newsha Tavakolian and her family, the Carmignac Foundation has decided to adjourn the exhibition, initially planned for November in Paris and thereafter in Italy, Germany and the UK.

Es ist abzuwarten, wie die Kontroverse zwischen Newsha Tavakolian und der Carmignac Gestion Foundation enden wird. Das Ansehen der Stiftung und somit des Preises dürfte mit deren Vorgehen großer Schaden zugefügt worden sein. Insbesondere wenn man bedenkt, wofür der Preis eigentlich steht. Es ist zu hoffen, dass der Gewinner des kommenden Awards (Thema Lawless Areas in France) mit mehr Respekt behandelt wird.

 

Großen Respekt verdient Newsha Tavakolian allemal, denn sie zeigt, dass küstlerische Freiheit sehr viel mehr wert ist als ein Award oder Geld. So lautet der letzte, starke Satz:

My artistic freedom and my integrity cannot be bought.