Bahnromantik auf dem Abstellgleis

Bahnromantik auf dem Abstellgleis

#120

 

Wer kennt sie nicht, die verträumten, meist mit Retrofilter bearbeiteten Motive, auf denen eine Person auf einsamen Bahngleisen dem Horizont entgegen läuft?

 

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Einmal abgesehen davon, dass die amerikanischen Züge von Amtrak & Co. imposanter wirken als die roten Waggons der Deutschen Bahn, strömen selbst die US-Gleise mehr industrielle Romantik aus als hier. Oder zeigt sich hier nur meine, von amerikanischen Filmen geprägte, ästhetische Wahrnehmung?

 

Selbstverständlich gibt es auch in Deutschland viele Hobby- und Profifotografen, die dem Charme der Bahn erlegen sind. Sei es aus Liebe zu den Zügen, den Ensembles aus industriellen Artefakten oder nur der speziellen Architektur. Die vielen denkmalgeschützten Bahnhofshäuschen, die nun meist von Privatpersonen bewohnt werden, sind in der Tat hübsche Fotoobjekte und laden geradezu ein, ein Foto zu erstellen.

 

Das hierbei sehr viel schief gehen kann, hat nicht immer was mit dem fehlenden Können der Fotografen zu tun. Denn einige Menschen begeben sich für einen gelungenen Schnappschuss in Lebensgefahr.

 

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So warnte die Bundespolizei im Sommer vor dem Selfie-Trend auf Gleisen. Vor allem unter Mädchen schienen die Selbstporträts auf den Schienen sehr beliebt, was nicht ohne Konsequenzen blieb.

Zwischen Tegel und Schulzendorf musste eine S-Bahn eine Notbremsung einlegen, weil zwei 13-jährige Mädchen auf den Gleisen standen, um Selfies zu machen. Die herannahende Bahn und ihr Hupen ignorierten sie.

Wer glaubt, dass dies Ausdruck jugendlichen Leichtsinns ist, der wurde die letzten Monate eines besseren belehrt.

Nur wenige Tage nach genanntem Vorfall, griff die Bundespolizei einen 53-jährigen bei Augsburg auf, der auf den Gleisen unterwegs war. Der Hobbyfotograf wollte Züge fotografieren.

Gründlich schief ging auch die Aktion eines Fotografen, der einen Würstchenautomaten im Bahnhof Wilhelmshöhe für ein Gourmet-Magazin ablichten wollte. Sein Verlängerungskabel löste sich und beschädigte die Oberleitung über einem ICE mit 400 Reisenden. Diese konnten den Zug aus Sicherheitsgründen erst nach einer Stunde verlassen.

 

In den USA geht man aktiv gegen Bahnfotos vor. So gibt es bei der Eisenbahngesellschaft Union Pacific ein Sicherheitsteam, dass im Internet nach Fotos sucht, die auf Gleisen gemacht wurden. Fotografen werden dann gebeten, diese zu löschen. Ihnen wird deutlich gemacht, dass durch das Betreten der Gleise gegen das Gesetz verstoßen wurde und dass die Fotos selbst, andere dazu aufmuntern würden, diese nachzuahmen. Auf Anzeige wird in der Regel jedoch verzichtet.

 

Um über die Gefahren bei der Bahnfotografie aufzuklären, gibt es in Zusammenarbeit mit der Operation Lifesaver auch folgende Safety Tips für Fotografen.

 
Fotos: CC0 Public Domain