Die Ästhetik des Krieges

Die Ästhetik des Krieges

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Das kürzlich von Christoph Bangert herausgegebene Buch mit dem provozierenden Titel War Porn hat eine Debatte um die Notwendigkeit von Kriegsfotografie angeregt. Es sei „unmoralisch, sich diese Bilder nicht anzusehen.“, so der Journalist und Fotograf in einem Interview mit Spiegel Online. Denn erst das Anschauen der schockierenden Bilder führe zu einer Reflexion.

 

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Dieselbe ästhetische Neugier bedient auch The Gaza War Map des Fotografen Lewis Whyld. Für seine 360 Grad Panorama Aufnahmen des zerstörten Landstrichs, setzte Whyld auf die Technik von Kolor. Dem Beobachter wird so die Möglichkeit geboten, das Krisengebiet zu erkunden, ohne dabei selbst der alltäglichen Gefahr ausgesetzt zu sein.

Zu den besuchten Orten gehört ein ehemaliger Bunker, welcher der Hamas als Unterschlupf diente. Die israelische Armee zerstörte diesen, wobei drei Militante ums Leben kamen.

Fast friedlich wirken die Wartenden vor dem Grenzübergang in Rafah, wo nur wenige auf die Möglichkeit zur Ausreise nach Ägypten hoffen. Schwenkt man die Kamera, sieht man den Fotografen inmitten der Leute.

Kein schöner Anblick ist die Beerdigung eines 10-jährigen, der bei einem israelischen Luftangriff ums Leben kam. Von allen Seiten strömen Leute herbei, um den offenen Leichnam zu begleiten. Lewis Whyld, den man am Rande sieht, ist nur einer von vielen Fotografen, die dieses Ritual dokumentieren.

 

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Tatsächlich noch bedrückender ist die 360 Grad Reportage von Nyamata, dem Schauplatz eines der größten Massaker während des Genozid in Ruanda. Der Fotograf Martin Edström führt durch die Erinnerungsstädte, einer Kirche, in der viele der Tutsi Unterschlupf fanden. Die Haufen von Kleidungsstücken und die Löcher an der Decke, zeugen von den Morden, die an dieser Stelle stattfanden.

Danach geht es zur Krypta, wo die Überbleibsel – Schädel, Knochen – der Verstorbenen ruhen.

Der virtuelle Rundgang besticht vor allem durch die textliche Begleitung, die den Leser auch heute noch fassungslos vor der Ignoranz der Weltöffentlichkeit schaudern lässt.

 

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Lesetipp: Interview Christoph Bangert mit Spiegel Online und Why violent news images matter

 

Fotos: Buchcover – http://warporn.christophbangert.com/, Screenshot – The Gaza War Map, Screenshot – http://nyamata.martinedstrom.com