Bodycams auf dem Vormarsch: Polizei rüstet auf

Bodycams auf dem Vormarsch: Polizei rüstet auf

#127

 

Nachdem Michael Brown am 9. August 2014 von einem Polizisten erschossen wurde, fühlte man sich zwanzig Jahre in der Zeit zurückversetzt. Die Proteste in Ferguson (Missouri) erinnerten an Szenen der Los Angeles Riots, welche nach Veröffentlichung der Rodney King Videos (siehe #38) 1992 ausbrachen.

Inzwischen sind die Proteste weitestgehend aus der internationalen Berichterstattung verschwunden. Obwohl diese in den USA nach wie vor andauern. So zum Beispiel am 6. Oktober, nach einem Baseball-Spiel der St. Louis Cardinals gegen die Los Angeles Dodgers.

 

Profitiert haben vor allem Hersteller sogenannter Bodycams, also kleiner Kameras, die Polizisten bei sich tragen können, um ihre Aktionen zu dokumentieren. So durfte sich die Firma Digital Ally Inc., Hersteller der FirstVu Body Cameras, auf einen Großauftrag der Michigan State Police freuen, woraufhin die Aktien des Unternehmens in die Höhe schossen.

 

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Auch andere Hersteller, zu denen u.a. Bodycam by PRO-VISION gehört, dürften in Zukunft auf steigende Umsätze hoffen, da der Trend zur Bodycam bei Polizisten weltweit zu spüren ist. In Deutschland kennt man die kleinen Kameras in erster Linie von Reality-TV-Sendungen aus den USA sowie Hollywood-Produktionen. So ist Jake Gyllenhaal, der in End of Watch (2012) einen Polizisten spielt, mit einer dieser Kameras ausgestattet. Die im Found-Footage-Stil aufgenommen Filmszenen stammen dabei nicht wirklich von den gezeigten Bodycams, sondern von einer, für den Film angefertigen, Kameraweste. Diese liefert zwar, im Wahrsten Sinne des Wortes, filmreife Aufnahmen, ist für den alltägliche Gebrauch aber eindeutig zu schwer ist.

Wer nun denkt, dass Big Brother vornehmlich in den USA die Augen offen hält, wird in Hessen eines besseren belehrt. Hier testet das Innenministerium die kleinen Kameras seit Ende 2013 in einem Pilotprojekt. Nun sollen diese in ganz Hessen zum Einsatz kommen.

 

Die Regularien für den Einsatz lesen sich wie folgt:

 

  • Jeder Polizist mit einer „Body-Cam“ muss eine entsprechende Weste mit der Aufschrift „Videoüberwachung“ tragen. Damit ist für jeden klar erkennbar, dass die Beamten sein oder ihr Verhalten während der polizeilichen Maßnahme aufzeichnen.
  • Der Einsatz der mobilen Uniformkameras findet während der Pilotphase ausschließlich im öffentlichen Raum statt.
  • Die Polizisten dürfen ausschließlich Bilder aufzeichnen. Es gibt keine Tonaufzeichnungen.
  • Zudem dürfen die Beamten nur anlassabhängig, beispielsweise bei einer Personenkontrolle oder beim Schlichten von Streitigkeiten, aufzeichnen. Eine ständige oder anhaltende Videoüberwachung findet nicht statt. Damit stellt die Polizei sicher, dass die Aufzeichnung nur auf das notwenige Mindestmaß beschränkt ist.
  • Die Beamten müssen die Aufzeichnungen nach Einsatzende unverzüglich löschen; es sei denn die Aufzeichnungen dienen als Beweis für eingeleitete strafprozessuale Maßnahmen.
  • Zudem ist der Hessische Datenschutzbeauftragte in das Pilotprojekt eingebunden.

 

Ist das hessische Pilotprojekt ein nachahmenswertes Erfolgsmodell?

Zumindest in Hamburg wurde im Juni 2014 ein Pilotprojekt vorgestellt, bei dem vorerst vier Kameras zum Einsatz kommen werden.

 

 

 

Fotos: HMdIS und Digital Ally Inc.