Bildforensik: Gefälschten Bildern auf die Spur kommen

Bildforensik: Gefälschten Bildern auf die Spur kommen

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Die alltägliche Bilderfälschung

Während die Holländerin Zilla van den Born fünf Wochen ihren Asien-Urlaub genoss, hielt sie Freunde und Familie mit Neid erweckenden Fotos über Facebook auf dem Laufenden. Hätte einer von ihnen ihre Postkarten genau unter die Lupe genommen, wäre vielleicht aufgefallen, dass der Poststempel nicht stimmen kann. Denn die Karten wurden alle von Holland aus verschickt.

Ihr außergewöhnliches Uni-Projekt hat die 25-jährigen Studentin bekannt gemacht, denn die junge Frau hatte bewiesen, wie leicht es heutzutage ist, andere Menschen zu täuschen. Denn wer möchte sich auf Facebook & Co. nicht in bestmöglicher Weise präsentieren? Selbstverständlich gibt sich nicht jeder so viel Mühe wie Zilla van den Born, noch verfügt jeder über die nötigen Kenntnisse und Mittel. Doch auch simple Akte, wie ein weggelassenes Foto entspricht als Inszenierung einer Form der Bildmanipulation.

 

Stalin mag Trotzki nicht

Wenn man sich bisher wenig mit der Thematik befasst hat, mag man über das Ausmaß an manipulierten Bildern erstaunt sein. Dabei handelt es sich nicht um eine Erfindung des digitalen Zeitalters.

Jeder weiß, dass die makellosen Fotografien auf den Titelseiten von Bunte, Gala und InTouch für die Leser nachbearbeitet werden. Wie auch die Hotelfotos in Reisekatalogen, in denen die Sonne immer strahlt und anscheinend jedes Hotel am Meer liegt.

Bei historischen Bildfälschungen dürften viele als erstes an die erste Mondlandung denken. Verschwörungstheoretiker behaupten noch heute, dass die Fotos von damals in Wirklichkeit auf der Erde entstanden, obwohl es für viele der vermeintlichen Ungereimtheiten plausible Erklärungen gibt.

Belegbare historische Bildmanipulationen findet man zu Hauf in der Zeit der Weltkriege. So ließ Adolf Hitler Goebbels ebenso aus einem Foto verschwinden wie Stalin, den in Ungnade gefallenen, Trotzki aus einem Foto mit Lenin.

 

lenintrotzki

 

Während Fälschungen hier als politisches Statement missbraucht wurden, sind Politiker heute vor allem auf deren Image-bildende Wirkung aus. Es gibt wohl kein Wahlplakat, das nicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet wurde.

Skandale in der jüngsten Vergangenheit – eine fehlgezündete Rakete hier, ein falsch deklariertes Foto aus Syrien da – zeigen, dass selbst renommierte Zeitungen auf maipulierte Bilder reinfallen können oder, im schlimmsten Fall, aktiv dazu beitragen.

 

Die Bildforensik im Überblick

Es gibt bislang keine hundertprozentig sichere Methode, um alle gefälschten Fotos zu enttarnen. Zwischen Manipulatoren und Forensikern besteht ein ständiges Katz-und-Maus Spiel. Die einen entwickeln eine Methode, die anderen ertüfteln eine Gegenmaßnahme.

 

Metadaten

Die einfachste, schnellste und bekannteste Methode, um erste Bildinformationen zu gewinnen, ist das Auslesen der Metadaten. Die Exif-Datei gibt u.a. darüber Auskunft, mit welchem Gerät das Foto erstellt wurde und zu welchem Zeitpunkt dies geschah. Nun gibt es aber genügend Freeware, um diese Daten zu manipulieren oder ganz zu löschen.

Ebenfalls im Header abgespeichert wird die Quantisierungsmatrix von JPEG-Dateien. Wird eine JPEG über Photoshop abspeichert wird also automatisch eine andere Quantisierungsmatrix angezeigt als noch bei der original Fotodatei. Aber auch hier gibt es Methoden der Manipulation.

 

Inhaltsbasierte Manipulationen

So wie es mehr Mühe bereitet, Fotoinhalte sichtbar zu verändern, ist es mühevoll, diese aufzudecken. Sehr häufig, und mit wenig Photoshop Know-How zu bewerkstelligen, ist das „Übermalen“ von unerwünschten Stellen durch kopieren und hinzufügen passender Bildelemente. (Das Loch im Rasen wird durch kopieren und einfügen von gesunden Rasenflächen überdeckt.) Nicht immer gelingt es, diese Duplikate mit bloßem Auge zu erkennen, so dass man erst mit Hilfe eines Algorithmus den digitalen Spuren nachjagen kann. Um nicht Pixel für Pixel miteinander vergleichen zu müssen – das wäre sehr rechenintensiv – gliedert man das Bild bei diesem Verfahren in quadratische Blöcke, die dann untereinander verglichen werden.

(Wer sich für die verschiedenen statistischen Methoden zur Auffindung von Inkonsistenzen interessiert, findet im Internet unter dem Stichwort „Bildforensik“ brauchbare wissenschaftliche Quellen, bspw. hier>)

 

Kamera Ballistik

In vielen Fällen hilft es bereits, das benutzte Aufnahmegerät zu erkennen. Da, wie erwähnt, die Exif-Datei diesbezüglich manipuliert werden kann, müssen andere Techniken zum Einsatz kommen, um der Kamera auf die Spur zu kommen. Da ist es von Vorteil, dass der Kameramarkt nicht von einem Produkt dominiert wird. Denn Linse und Bildsensor hinterlassen ebenfalls Spuren in den, mit ihnen gemachten, Fotos.

 

Wasserzeichen

Für Fotografen, die ihre Werke schützen wollen, sind Wasserzeichen die einfachste Methode vor dreistem Bilderklau. Die gängigen, wahrnehmbaren Wasserzeichen (z.B Coyprightzeichen inklusive Urheber) lassen sich schnell austricksen, indem man die markierte Stelle einfach wegschneidet. Das passiert öfters als man denkt. Daher platzieren viele ihr Wasserzeichen möglichst weiträumig, was wiederum die Präsentationskraft des Fotos schmälert.

Für professionelle Fotografen sind nicht wahrnehmbare Wasserzeichen daher sinnvoller, zumal man diese viel schwerer „knacken“ kann. Photoshop-Nutzern dürfte der Anbieter Digimarc diesbezüglich bekannt sein, denn mit dem Plug-In kann man robuste Wasserzeichen erstellen, die laut Hersteller sämtliche Manipulationsversuche überstehen sollen. Die hohe Zuverlässigkeit hat allerdings auch einen hohen Preis.

Für Bildforensiker sind diese digitalen Wasserzeichen wie ein Schatz: Denn mit ihnen lassen sich sogar original Bildinhalte rekonstruieren.

 

(Ein Dankeschön geht an Dr. Huajian Liu vom Fraunhofer SIT für die vielen Informationen.)

 

Lesetipps Bildforensik:

Wikipedia Beitrag “Digitale Bildforensik”

Digitale Forensik: Erkennen von Bild-Manipulationen an Hand von Duplikationen in digitalen Bildern

 

Linktipps Bildmanipulationen – bekannte Fälschungen:

Die Macht der Fotografie

Bildmanipulationen

Zensur Archiv – Politik

 

Fotos: CC0 – Public Domain; Lenin via zensur-archiv.de