Final Words: Mit Selfies gegen die Todesstrafe

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“ (…) I did not murder your loved one, it was an accident. I didn’t mean for it to happen.
I take full responsibility. (…)” – Gefangener Nr. 999552

 

Die Todesstrafe ist aus deutscher Sicht nahezu ein Abstraktum. Man kennt sie aus den Abendnachrichten, wurde aufgeklärt durch Kampagnen von Menschenrechtsorganisationen, hat den politischen Diskurs verfolgt und natürlich einige dramatische Filmproduktion gesehen.

Wer in Hessen lebt, wird früher oder später über den skurrilen Umstand aufgeklärt, dass die Landesverfassung bei besonders schweren Verbrechen die Verurteilung zum Tode vorsieht. Allerdings macht das Grundgesetz den Artikel 21 unwirksam.*

 

In den Vereinigten Staaten ist die Todesstrafe bekanntermaßen noch legal, zumindest in 32 der 50 Bundesstaaten.

Der amerikanische Fotograf Marc Asnin setzt sich in seiner Heimat nun dafür ein, die Generation der Schüler mit einem Buch an das umstrittene Thema heranzuführen. Ziel ist es keineswegs, die Abschaffung der Todesstrafe zu propagieren, sondern eine Umgebung des kritischen Dialogs zu schaffen.

 

cover

 

Die Idee zu „Final Words“ kam Asnin im Sommer 2013, als er auf der Seite der texanischen Justizbehörde auf die letzten Worte der, bis dato 517 Hingerichteten, stoß. Mit Hilfe einer non-profit Kampagne auf Indiegogo hofft er nun genügend Geld zu sammeln, um hieraus ein Buch zu schaffen, dass in den Schulen der Bundesstaaten mit Todesstrafe gelesen wird.

 

In der Form von knappen Lebensläufen, stellt das Buch die einzelnen Gefangenen dar. Daten und Fakten, die für sich betrachtet keine Emotionen auslösen. Erst die Fotos und letzten Worte geben den Tätern ein Gesicht und somit ein Stück Menschlichkeit – Würde – zurück.

 

Unterstütztung bekommt der Fotograf hierbei von der VII Association, die von der VII Photo Agentur gegründet wurde, und von Kollegen, Fotografen und Fotografinnen, die sich mit Selfies und Statements auf der virtuellen Fotowand der final-words.org verewigt haben.

 

Alle anderen, die ebenfalls ein Statement gegen die Todesstrafe abgeben wollen, können dies durch Teilnahme an der Selfie-Kampagne tun, oder durch Unterstützung des Crowdfunding Projekts.

 

 

 

 

*Unseren nicht-hessischen Lesern möchte ich hiermit versichern, dass unser Bundesland, trotz Todesstrafe und Bodycams, sehr schön und friedlich ist.

 

Foto: via final-words.org