Wie man Lokaljournalismus erfolgreich gestaltet

Wie man Lokaljournalismus erfolgreich gestaltet

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Andere Länder tun sich noch schwer mit dem Bürgerjournalimus. In den Niederlanden ist die Akzeptanz gegenüber entsprechenden Medienformaten höher. Während in Deutschland hier und da der Leserreporter einen Kommentar abgeben darf, sind Bürger- oder Lokaljournalismus bei unseren Nachbarn fest implementiert in der Medienlandschaft.

 

Einer der Erfolgsgeschichten ist die hyperlokale Nachrichtenplattform dichbij (dt. „nah dran”). Sie ist so erfolgreich, dass sogar die Online-Ausgabe der Welt über sie berichtete* und die offensichtliche Frage stellt: Wo liegt das Geheimnis?

 

Auf den ersten Blick erinnert die Hauptseite von dichtbij an das Konzept der, inzwischen abgemagerten, amerikanischen Seite Patch. Wie dort, bekommt der Leser ein Suchfeld präsentiert, in das man seine Wunschregion eingeben kann. Für 46 Regionen der Niederlanden sind bereits lokale Seiten vorhanden.

Einmal auf der gewählten Nachrichtenseite angekommen, finden sich Neuigkeiten jeder Art, wie üblich unterteilt in Rubriken wie News, Sport oder Ausgehtipps.

 

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Die lokalen Nachrichtenseiten sind inzwischen so erfolgreich, dass sie die Leser an die Online- und Printprodukte des Mutterkonzerns heranführen sollen. Denn während der Verlag TMG gerade 100 Stellen streichen musste, konnte dichtbij einen Umsatzplus von 32 Prozent (10 Millionen Euro) verbuchen.

 

Ein Erfolgsfaktor lässt sich erkennen, wenn man sich die Werbeflächen in den Online-Ausgaben ansieht. Statt irgendeiner Werbung, zeigen diese auf die jeweilige Region zugeschnittene Angebote. Der direkte Bezug zu den potenziellen Kunden vor Ort, macht das Anzeigengeschäft für Werbekunden schlicht attraktiver.

 

Ein wichtiger Faktor sind auch die 130.000 Bürgerjournalisten, die bei dichtbij registriert sind. Die schwindende Grenze zwischen Leser und Autor macht die Zeitung für eine ganz andere Zielgruppe interessant als jene von Zeitungsblättern.

Oft hört man, dass User-generated Content „out“ ist? Tja, in den Niederlanden offensichtlich nicht!

 

Natürlich sind nicht alle Konzepte gleich erfolgreich. So scheiterte Endemol (in Deutschland bekannt durch Big Brother) mit Ik op TV (dt. “Ich im Fernsehen”). Die Sendung, die im September 2007 an den Start ging, beinhaltete Aufnahmen von jungen Leuten, die mit ihren Handys Reportagen von lokalen Veranstaltungen machten.

Ebenfalls nur kurz erfolgreich war die Applikation Meporter. Diese stammte zwar aus den USA, gewann aber in der Anfangszeit vor allem in den Niederlanden viele Nutzer.

 

Dennoch bekommt man den Eindruck, dass unsere Nachbarn einen höheren Mitteilungsdrang (im positiven Sinne) haben als alle anderen.

Da wären die, von uns in einem früheren Artikel vorgestellten, Het Belang van … Online-Nachrichtenseiten. Mit 7.000 Bürgerjournalisten ist das belgische Pendant zu dichbij ebenfalls auf Erfolgskurs.

 

Das Erfolgsrezept von Online-Zeitungen liegt scheinbar auf der Hand. Um den Leser für sich zu gewinnen, musst man ihm die Nachrichten bieten, die er lesen will. Ein Beispiel: So fährt die Zeitung move36 aus Ostehessen mit ihrer Strategie auf Erfolgskurs, Inhalte klar auf die junge Leserschaft auszurichten. Bislang funktioniert das ganz gut.

Natürlich gibt es in Deutschland noch andere, ebenfalls erfolgreiche Projekte. Nur müssen diese sich nach wie vor den abschätzigen Blicken der “Großen” stellen.

 

 

 

*Leider aber nur im Bereich Kultur – eine prominentere Platzierung wäre in Zeiten der Print-Krise vielleicht sinnvoll.

 

Fotos: dichtbij.nl