Mexikanische Bürgerjournalisten riskieren ihr Leben

Mexikanische Bürgerjournalisten riskieren ihr Leben

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Wenn der professionelle Journalismus scheitert, weil er von einem autoritären Regime zensiert wird, in Kriegsgebieten in Bedrängnis gerät, oder, weil er zu bequem ist, füllen oft Laien – Blogger, Menschenrechtler – als Bürgerjournalisten die entstandene Lücke.

Dies ist nicht immer ungefährlich, denn dort, wo ein Krieg herrscht, kann man diesem schnell zum Opfer fallen.

 

In Mexiko herrscht kein Krieg im eigentlichen Sinn, doch das von Drogenkartellen kontrollierte Land, befindet sich in einem kriegsähnlichen Zustand. Die Schutzlosigkeit gegenüber den Kriminellen, denen die eigene Regierung beinahe Machtlos entgegen steht, hält viele Journalisten oder Zeitungen davon ab, öffentlich über den Drogenkrieg zu schreiben. Dem Anschein nach die richtige Strategie, wurde laut CPJ.org in diesem Jahr „nur“ ein Journalist ermordet.

 

Engagierte Bürger informieren sich und ihre Mitmenschen inzwischen selbst über Vorkommnisse, mögliche Gefahren und, tragischerweise oft, über Vermisstenfälle. Zu den bekanntesten Seiten gehört der Blog Valor por Tamaulipas (dt. Mut für Tamaulipas). Der mexikanische Bundesstaat, der an Texas angrenzt, geriet 2010 durch ein Massaker mit 72 Toten in die Schlagzeilen.

Seit seiner Gründung 2012 musste der Blog oft mit Anfeindungen von Seiten der Kartelle leben. So schrieb Global Voices 2013, dass ein Kartell demjenigen 600.000 Pesos Versprach, der Informationen über den Seitenadministrator liefern würde.

 

Am 15. Oktober dieses Jahres wurde María del Rosario Fuentes Rubio gekidnappt und, einen Tag später, ermordet aufgefunden. Ihre Beiträge auf “Valor por Tamaulipas” und ihre Twitter Kommentare kosteten die junge Ärztin das Leben.

Laut einem Bericht wurden Fotos der Leiche von Unbekannten über Fuentes Rubios Twitter Account (@Miut3) veröffentlicht mitsamt einer Entschuldigung an die verärgerten Drogenbosse. Ebenfalls veröffentlicht wurde eine Warnung an andere Bürgerjournalisten, nicht länger über die Gewalt zu berichten. Es würde nichts bringen.

 

mariarosariofuentesrubio

 

Fotos: Day of the Dead – Public Domain – CC0, Screenshot via Google Plus