Das Roman Vishniac Online-Fotoarchiv

Das Roman Vishniac Online-Fotoarchiv

#147

 

Roman Vishniac (1897-1990), US-Amerikaner mit russisch-jüdischen Wurzeln war vieles. Er war Biologe und Pionier der Wissenschaftsfotografie – so der deutsche Wikipedia-Eintrag. Die italienische Seite der freien Enzyklopädie verortet ihn im Genre der „street photography“. Doch die meisten Sprachversionen heben diesen Teil seiner Arbeit hervor: Die Fotografien des jüdischen Lebens in Osteuropa vor dem Holocaust.

 

Die zwischen 1935 und 1939 entstandenen Fotografien entstanden im Auftrag des American Jewish Joint Distribution Committee. Mit schwerem Equipment (Leica, Rolleiflex, Filmkamera und Stativen), er selbst sprach von 52kg Last, besuchte er die meist armen jüdischen Viertel in Polen, Rumänien, der Tchecheslowakei und Litauen. Nicht ganz ungefährlich, galten Fotografen mitunter als Spione oder waren ganz einfach unerwünscht. (siehe >)

 

Vishniac

 

Dieser Abschnitt seines fotografischen Schaffens (er hatte auch großen Einfluss auf die Mikrofotografie) steht der Öffentlichkeit als Online-Archiv bereit. In Zusammenarbeit mit dem United States Holocaust Memorial Museum hat das International Center of Photography (ICP) ein umfassendes Datenarchiv auf die Beine gestellt, um virtuellen Besuchern und Forschern den freien Zugang zu Vishniacs Arbeiten zu ermöglichen. Von den 40.000 Objekten der Sammlung sind bereits 9.000 Negative – viele zuvor unveröffentlichte Bilder – auf der Webseite zu finden. Die Digitaliserung übernahm der Fotograf Ardon Bar-Hama, der bereits die Schriftrollen vom Toten Meer digital aufbereitet hat.

 

Das Online-Archiv, das täglich um neue Objekte erweitert wird, bietet jetzt schon einen ausführlichen Blick in Roman Vishniacs Lebenswerk, das neben den bislang 92 Fotos der Kollektion „Jewish Life in Eastern Europe, ca. 1935-38“ auch frühe Straßenfotografien Berlins beinhaltet.

 

Besonders interessant ist auch das wiederentdeckte Filmmaterial, das auf 16mm Film fixiert wurde. Es handelt sich um Outtakes, da die Filme größtenteils verloren sind.

Auch der Fotograf selbst kommt zu Wort: In Zukunft sollen Audioaufnahmen von Vorträgen digitalisiert werden. Zur Zeit findet man erst einen Beitrag, in diesem erzählt Vishniac darüber wie er Albert Einstein einst fotografierte.

 

Webseite: Roman Vishniac Archiv auf vishniac.icp.org

 

 

Foto: Screenshot via vishniac.icp.org und Roman Vishniac, 1977 photo by Andrew A. Skolnick. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons.