Schöne Fotos sind langweilig, widmen wir uns den hässlichen

Schöne Fotos sind langweilig, widmen wir uns den hässlichen

#155

 

Eye Candy, der ursprünglich aus der Werbe- und Gestaltungbranche stammende Begriff, markiert – mit oder Hashtag kombiniert – in sozialen Netzwerken ein besonders schönes Subjekt oder Objekt. Es kann sich um ein Foto, ein Film oder ein gemaltes Bild handeln. Es kann Menschen, Tiere, Brücken oder Wälder abbilden. Hauptsache ist, dass es den Augen des Betrachters schmeichelt. Wie lautet aber das Gegenteil davon? Im Deutschen hat sich das unschöne Wort Augenkrebs etabliert. Unschön, weil es gleichzeitig auch die Bezeichnung einer echten Krankheit ist, die nun wirklich nicht zum Spaßen ist.

Lassen wir die Suche nach dem Begriff vorerst außen vor und nähern uns dem Gegenteil des Eye Candy anhand von Beispielen.

 

Mithilfe von WordPress oder Tumblr (und vielen anderen Anbietern) ist es heute spielerisch einfach, themenspezifische Inhalte für die Nachwelt zu kuratieren. Weil Sammlungen der schönsten Hotels, der hübschesten Frauen und der tollsten Automobile viele Blicke und Nachahmer mit sich bringen, muss man schon eine besondere Nische finden, um die Menschen weiterhin zu begeistern. Buzzfeed und HuffPost machen es vor: Nicht die schönsten Fotos sind oft interessant, sondern die lustigsten. Und lustig bedeutet in vielen Fällen hässlich.

 

http://terriblerealestateagentphotos.com/image/90577536731
http://terriblerealestateagentphotos.com/image/90577536731

 

Terrible real estate agent photographs

Andy Donaldson gehört zu den Sammlern des neuen Jahrhunderts. In seinem Kuriositäten-Kabinett finden sich Maklerfotos, die alles Mögliche aussagen. Allerdings niemals: Kaufe mich! Genau genommen lassen die Fotos auf der Seite Terrible real estate agent photographs an ihrer Authentizität zweifeln. Denn welcher Makler möchte das betreute Objekt nicht möglichst schnell loswerden und tut sein Bestes, für eine gelungen Präsentation? Donaldson hat seine schönsten Bilder inzwischen in einem 160-seitigen Buch mit dem Titel Terrible estate agent photos verewigt. Das gibt es bald sogar auf deutsch. Titel: „Maklerfotos aus der Hölle“.

 

 

Screenshot
Screenshot Webseite

 

Sitzmuster des Todes

Warum die Übersetzung englischsprachiger Titel oft übertrieben effekthascherisch wirkt, weiß kein Mensch. Die deutsche Internetseite SMDT hat ihren netten Titel zumindest selbst gewählt und heißt ausgeschrieben Sitzmuster des Todes. Wer hierbei an lang zurückliegende Busfahrten denkt, vielleicht einer Klassenfahrt an den Rhein, hat das Thema womöglich erfasst. Denn die Sitzpolster, die schon damals altertümlich wirkten, sehen heute noch genauso aus. Ist der Grund psychologisch (beruhigende Farben?) oder zwecks einfacherer Reinigung (Muster lassen Flecken unsichtbar werden!) … ein echtes Rätsel! Ein Buch gibt es Bislang nicht, dafür aber eine Top 3 der schlimmsten Sitzmuster.

 

http://www.crapgraffiti.com/wp-content/uploads/images/watermarked/bill-myall/who-edukates-me_1405112615.png
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Crap Graffiti

Viele halten Graffiti, wenn sich nicht grade von Banksy stammen, für Schmierereien statt Kunst. Adam Elliott und Richard Frazers Seite Crap Graffiti überzeugt nicht vom Gegenteil. Denn in ihrer Sammlung von Graffiti-Fotografien finden sich vor allem pubertäre Auswüchse sogenannter Graffiti-Künstler: Männliche oder weibliche Geschlechtsteile, lustig gemeinte Sprüche und andere lieblose Malereien. Wem das gefällt, der kann sich ebenfalls die Buchversion kaufen.