Fotojournalismus: Ist Bildmanipulation der Standard?

Fotojournalismus: Ist Bildmanipulation der Standard?

#159

 

Im November hat die World Press Photo Academy (WPP) den Bericht „The Integrity of the Image – Current practices and accepted standards relating to the manipulation of still images in photojournalism and documentary photography“ herausgebracht.

Die Organisation, die seit 1955 existiert, führt jedes Jahr den renommierten World Press Photo Wettbewerb durch und sah sich mit dem Gewinnerbild 2012 einer Kontroverse ausgesetzt. Experten waren sich sicher, dass der schwedische Fotograf Paul Hansen das Foto entgegen der Regeln großzügig nachbearbeitet hatte.

 

Für den anfangs genannten Bericht führte Dr. David Campbell für WPP teil-standardisierte und offene Interviews mit 45 Fachleuten durch. Er kam zu dem Ergebnis, dass, während Manipulationen durchgehend als nicht-akzeptabel gelten, kleinere Korrekturen am Foto inzwischen der Standard sind. Probleme gibt es wegen der unterschiedlichen Auslegungen davon was „kleinere“ Korrekturen beinhalten. (Teils werden hierunter jene Techniken der Nachbearbeitung verstanden, die man bereits in Zeiten der Analog-Fotografie anwendete wie z.B. Staub oder Kratzer entfernen.)

 

The biggest problem is that judging the acceptability of processing in terms of what is “minor/normal/subtle/moderate” versus “excessive” is inescapably a matter of interpretation. None of our responents specified a boundary between “minor” and “excessive”, other than to say that it was a matter of case-by-case judgment, in which a major consideration was how the photographer saw the scene. (p. 7)

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Obwohl der Fokus der Forschung auf der Ergründung der Frage lag, ob es Formen der Bildmanipulation gibt, die allgemein als akzeptabel erachtet werden, bietet der zirka 10-seitige Text einen guten, wenn auch sehr kurzen, Überblick über die Bildmanipulation allgemein.

Ebenso bietet Campbell einen Lösungsvorschlag, der das Erkennen von Manipulationen in Zukunft erleichtern soll: Einen transparenten Umgang mit Fotografien in den Medien. Hierfür müsste ein öffentlich einsehbarer „digital audit trail“ persönliche Information zum Fotografen anzeigen (‚personal verification‘) , die Hintergründe zur Entstehung des Bildes (‚project verification‘) offenlegen und natürlich alle Bilddaten wie EXIF, Geotag etc. anegeben (‚image verification‘).

Natürlich wäre es erfreulich, wenn “The Integrity of the Image” nur die Grundlage für eine weitergehende wissenschaftliche Studie wird.

 

Zum vollständigen Bericht >

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