Smartphone-Fotografie: Gibt es da nicht ein besseres Wort für?

Smartphone-Fotografie: Gibt es da nicht ein besseres Wort für?

#161

 

Ein Großteil der Menschheit fotografiert mit der Kamera des eigenen Mobiltelefons und verzichtet zugleich auf den Kauf einer digitalen Kompaktkamera. Ein Umstand, der nicht nur Kameraherstellern Kopfzerbrechen bereitet, zumal DynaOptics an einer Technologie arbeitet, um optische Zoomobjektive platzsparend in die nächsten Smartphone-Generationen zu integrieren. Hochwertige Smartphone-Kameras wie die des Lumia 1020 arbeiten nach wie vor mit einem digitalen Zoom, während jene mit optischem Zoom krasse Außenseiter sind. Mit den „Dickerchen“ will halt niemand spielen.

 

Smartphone, Mobiltelefon oder Handy?

Kopfzerbrechen löst der Trend zur Smartphone-Fotografie (wobei Trend den falschen Eindruck vermittelt, diese würde wieder vergehen) bei denen aus, die darüber schreiben müssen. Und das liegt nicht an den vielen neuen Geräten, die scheinbar täglich angekündigt werden. Problematisch ist die klare wörtliche Abgrenzung, die man zur „alten“ Fotografie ziehen möchte. Und „alt“ meint dieses Mal nicht „analog“. Diese Abgrenzung erfolgt bekanntermaßen durch das setzen des Wortes Smartphone (mit Bindestrich) vor Fotografie. Das hieraus gebildete Wort Smartphone-Fotografie klingt nicht schön, ist dennoch geschmeidiger als die von deutschen Sprachwächtern bevorzugte Variante Mobiltelefon-Fotografie. (Was natürlich Quatsch ist, weil hier mal wieder die Römer und Griechen ihre Hände im Spiel hatten.)

Noch kürzer wäre das Ersetzen des Begriffs Smartphone durch das altbewährte Handy. Vorteil: Besitzer von weniger intelligenten Mobiltelefonen fühlen sich von Handy-Fotografie nicht ausgeschlossen. Nachteil: Irgendein Besserwisser wird sich über einen mokieren, weil das scheinbar englische „Handy“ auf der Nachbarinsel nicht verstanden wird.

 

iPhoneography oder Androphotography?

Warum überhaupt ein Worthybrid aus Englisch und Deutsch zusammenschustern, wenn man auch die rein englische Version als Neologismus übernehmen könnte? Meine Vermutung: Die Uneinigkeit der Eingeborenen hierüber macht das Importieren eines neuen Begriffs unmöglich. Während Selfie und Photobomb längst die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, stellt das beliebte iPhoneography noch den Visa-Antrag. Erzürnte Android-User versuchen ihr Bestes, um Androphotography ins selbe Flugzeug zu setzen.

 

Vor einiger Zeit erhoffte ich mir mehr Klarheit in der Begriffswahl und schrieb Jack Hollingsworth über Twitter an. Denn wer, wenn nicht Big Jack könnte mit einem Machtwort dem Wirrwarr ein Ende setzen? Das Ergebnis war alles andere als befriedigend. Statt sich zwischen einem der von mir vorgeschlagenen Begriffe zu entscheiden, fügte er der Liste einen weiteren Hinzu.

iPhotography sei der beste Begriff, naja, zumindest für Leute, die mit iPad, iPhone und iPod fotografieren.

Ein eigenes Wort für jedes Betriebssystem? Unpraktisch, denn dann steigen mit Windows und Firefox mindestens zwei weitere Kandidaten mit an Bord.

 

twitdiscuss

 

Mobiography oder Appotography?

Zwei Online-Publikationen könnten entscheidend auf die Zukunft der Wortes Smartphone-Fotografie einwirken. Zum einen Mobiography von Andy Butler, zum anderen, Appotography. Allerdings arbeitet Butler selbst mit den Bezeichnungen iPhoneography und Mobile Photography während Appotography dann doch zu sehr an Bokeh, Sepia und Co. erinnern lässt.

Da kann man gleich ein Wortgebilde für jede App einzeln kreieren. Facebooks Bilderdienst Instagram ist erfolgreich genug, um “to instagram” als Verb zu etablieren. Wie würde “to VSCOen” oder “to fhotoroomen” klingen?

 

Smartphone Photography oder Mobile Photography?

Während es bereits Abkürzungen wie Smartphoneography, Smartography oder Smart Photography gibt (letzteres könnte in der Übersetzung für Verwirrung sorgen), setzt sich das schlicht-elegante Mobile Photography recht häufig durch. Nicht verwunderlich, denn wie das deutsche Pendant Handy-Fotografie, werden alle Mobiltelefon-Fotografen inkludiert.

 

Warum nicht Phoneography?

Eigenartigerweiße konnte sich Phoneography bislang nicht durchsetzen. Dass obwohl es kurz ist und kein Betriebssystem außen vor lässt. Liegt es daran, dass es geradzu zum Spott einlädt? Ich höre „echte“ Fotografen bereits über Phony-o-graphy witzeln. Oder klingt es zu sehr nach Phonography?

Die Bildung von Verben würde mit Phoneography besser gelingen. „Sie phoneografierte.“ ist doch viel besser als „Sie smart-fotografierte.“ Oder etwa nicht?