Das teuerste Foto der Welt und die “Fotografie ist keine Kunst” Debatte

Das teuerste Foto der Welt und die “Fotografie ist keine Kunst” Debatte

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Diese Meldung ließ sowohl Kunstkritiker wie Fotografen gleichermaßen argwöhnisch aufhorchen. Der aus Australien stammende Fotograf Peter Lik gab per Pressemitteilung bekannt, dass er sein Foto „Phantom“ für 6,5 Millionen US-Dollar verkauft hatte. Ein unbekannter Sammler aus Las Vegas verhalf Peter Liks Werk damit zum Titel der “Teuersten Fotografie der Welt”.

Die darauffolgende Kritik könnte man allzu leicht als Neiddebatte von finanziell weniger erfolgreichen Kollegen abtun. Oder steckt mehr dahinter?

 

Marketingstrategie

Die Überschrift von Allen Murabayashis Artikel lässt alle Zweifel offen. „The Most Expensive Photo in the World (or the Best Marketing Stunt)” heißt es da.

Wie andere Journalisten und Blogger bemängelt Murabayashi das Fehlen von Beweisen, die den Verkauf verifizieren würden. Da der Käufer anonym bleiben möchte, ist Peter Lik der Einzige, der den Verkauf in dieser Höhe bezeugen kann. Es ist daher nicht auszuschließen, dass der vermeintliche Verkauf den Wert von Peter Liks Fotografien in die Höhe treiben soll.

 

Einzigartigkeit

Was selbst einen Laien stutzig macht, ist die Tatsache, dass es sich bei „Phantom“ um kein Unikat handelt bzw. es die nachbearbeitete Version eines von Liks erfolgreichsten Fotos ist. Die Fotografie, die eine Höhle in den Antelope Canyons in Arizona zeigt, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und trägt den Titel „Ghost“. Die limitierten Kopien (1000 Stück) wurden für 250.000 US-Dollar verkauft.

 

Fotografie vs. Echte Kunst

Zu guter Letzt hat die Debatte um Liks Fotografie jene Kritiker auf den Plan gerufen, die seit jeher die Meinung vertreten, dass Fotografie keine Kunst ist. Für den Guardian-Journalist Jonathan Jones, der sich bei diesem Thema gerne weit aus dem Fenster lehnt, war der Verkauf von „Phantom“ daher ein gefundenes Fressen, um erneut zu postulieren: „Photography is not an art.“ An für sich ist es immer erheiternd Jones‘ Tiraden gegen die Fotografie zu lesen. Hier ein Beispiel: „My iPad can take panoramic views that are gorgeous to look at. Does that make me an artist? No, it just makes my tablet one hell of a device.”

Ebenso unterhaltsam ist es auch, die Gegenreaktion zu betrachten. Als Verfechter der Fotografie nahm Sean O’Hagan, ebenfalls im Guardian, die Gegenposition ein. Und man mag ihm nur allzu gern recht geben, wenn er sagt: „If anything is anachronistic, it’s the “photography is not art” debate.“

 

Zur Irrationalität der Geschmacksfrage

Jedes Kind lernt irgendwann, dass Geschmäcker unterschiedlich sind. So mögen die einen lieber Vanilleeis, die anderen lieber Schokoladeneis. Und dann gibt es angeblich Menschen, die gar kein Eis mögen.

So ähnlich klingt es auch, wenn man die Fotografie-ist-Kunst-oder-nicht-Debatte verfolgt, denn letztendlich ist es rein subjektiv hierüber eine Entscheidung zu fällen. Auch wenn Kunstkritiker nun empört aufschreien werden ob dieser Behauptung. Sowohl im historischen Rückblick, wie auch im kulturellen Vergleich, erkennt man, dass die Aufstellung einer objektiven Kriterien-Liste ein mit Mängeln behaftetes Unterfangen bleibt.

 

 

Lesetipps:

Nicht mehr ganz aktuell: 18 Most Expensive Photographs.

Zur Guardian-Debatte: Columnists at The Guardian Debate Whether or Not Photography is Art
 

Foto: Bagima at en.wikipedia [CC BY-SA 3.0 or GFDL], from Wikimedia Commons