Eine kurze Geschichte der Digitalkamera

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Es mag verblüffen, aber die erste Digitalkamera wurde bereits im Jahr 1975 entwickelt. Wie bei Heimcomputern oder dem Internet dauerte es aber eine ganze Weile bis die Erfindung auch die Massen erreichte, nur um kurze Zeit später wieder zu den „Oldies“ zu zählen.

 

Im Alter von 25 Jahrene erhielt der Kodak-Mitarbeiter Steve Sasson den Auftrag, eine Verwendung für CCD-Sensoren zu finden. Diese lichtempfindlichen Bauelemente wurden einige Jahre zuvor, 1970, das erste Mal gebaut und sind bis heute wichtiger Bestandteil fast jeder Kamera.

Der Ingenieur entschied sich für den Bau einer Kamera, die Bilder digital aufnehmen würde. Mit Erfolg, denn im Dezemeber 1975 wurde mit dem namenlosen Prototyp offiziell das erste digitale Foto* erstellt. Wie die ersten Analogfotos war dieses noch schwarz-weiß.

 

Erste Digitalkamera (Photo: Eastman Kodak)
Erste Digitalkamera (Photo: Eastman Kodak)

 

In den Folgejahren experimentierten sämtliche Kamerahersteller mit digitaler Fototechnik. Die vollständige Digitalisierung des Bildaufnahmeprozesses lies aber auf sich warten. So war die Sony Mavica die erste Kamera, die Bilder statt auf Analogfilm auf einer Diskette speicherte allerdings nie in den Verkauf ging.*(Mehr Fotos >)

 

Sony Mavica Prototyp
Sony Mavica Prototyp (Photo: Morio, CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons)

 

Als erste echte Digitalkamera gilt die Fujix DS-1P. Das Gerät von Fuji wurde 1988 auf der Photokina in Köln vorgestellt, ging aber ebenfalls nie in den Verkauf.

 

Fujix DS-1P (Photo: Fujifilm Corporation)
Fujix DS-1P (Photo: Fujifilm Corporation), via digicammuseum.com

 

Anstelle von Fuji brachte 1990 dann ein eher unbekannter Hersteller die erste massentaugliche Digitalkamera auf den Markt. Die Dycam Model 1 erinnert im Design viel eher an die heutigen Smartphones. Ein Omen?

Ein Jahr darauf, kam die Dycam als Logitech FotoMan in Deutschland heraus. Neupreis: 860 Euro.
Logitech Fotoman Plus photo Logitech-Fotoman-Plus.jpg

 

Designprägend war die 1995 erschienene Casio QV-10, denn sie bot als erstes einen LCD-Bildschirm für die Bildbetrachtung. Das Äußere, das im Gegensatz zur Dycam die Form eines Fotoapparates beibehielt, spiegelt sich noch heute in der Klasse der digitalen Kompaktkameras wieder.

 

Casio QV-10 (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/43/Casio_QV-10_CP%2B_2011.jpg)
Casio QV-10 (Photo: Morio, CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons)

 

Und wo bleibt Apple?

Es wäre doch verwunderlich, wenn ausgerechnet Apple, der Konzern, der technischen Innovationen gegenüber schon immer offen war, nicht versucht hätte, auf dem Markt Fuß zu fassen. Und tatsächlich, im Jahr 1994 brachte Apple seine QuickTake 100 heraus. Produziert wurde diese, in der Form an die späteren Polaroids erinnernde, Kamera allerdings von Kodak.

 

Apple QuickTake 100 (http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_QuickTake#mediaviewer/File:QuickTake_vorne.jpg)
Apple QuickTake 100 (Photo: Gmhofmann, Public domain, via Wikimedia Commons)

 

*Bereits 1957 verwandelte Russell Kirsch die Analog-Fotografie seines Sohnes in ein 176×176 px Digitalfoto.

* Vielen Dank an Dennis van Hall, der darauf hingewiesen hat, dass die hier zuvor aufgestellte Behauptung, die Mavica wäre seit 1982 verkauft worden, nicht der Wahrheit entspricht.