So geht’s: Refotografie – Die Reise in die Vergangenheit

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Für Foto-Einsteiger ist es oftmals nicht leicht, die eigene Bildsprache zu finden. Es ist daher durchaus legitim, zuerst bei den „Großen“ abzukupfern, um hierbei zu lernen. Wessen Problem es hingegen ist, interessante Motive zu finden, dem wird die anfängerfreundliche Refotografie zusagen. Hierbei geht um das wiederholte Fotografieren ein und desselben Motivs, mit dem Ziel, die in der Zwischenzeit entstandenen Unterschiede hervorzuheben.

 

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Wie fängt man an besten an?

Alte Postkarten – aus dem eigenen Bestand oder auf dem Flohmarkt erworben – eignen sich hervorragend als Vorlage für eine Refotografie. Wer zum Beispiel eine Postkarte älteren Datums mit dem Kölner Dom als Motiv besitzt, sollte beim nächsten Besuch der Stadt ein Foto aus derselben Perspektive erstellen. Da sich das Hauptmotiv, also der Dom, zugegebenermaßen seither nicht großartig verändert hat, sollte möglichst viel Drumherum mit aufs Bild.

Eine weitere Idee wäre es, alte Fotoalben zu durchstöbern, um die Urlaubsfotos der Großeltern und Eltern nach markanten Objekten zu durchsuchen. Auf einem eigenen Trip durch die eigene Familiengeschichte könnte man diese Fotografien dann nachbilden. Tatsächlich könnte sich hieraus eine tolle Familientradition entwickeln.

Diejenigen, die sich besonders für den historischen Aspekt der Refotografie erwärmen können, sollten im Internet nach passenden Projekten Ausschau halten, die oft von Städten oder Universitäten initiiert werden.

Im letzten Jahr sorgte eine Crowdfundig-Kampagne für Aufsehen, deren Ziel es war, alte Fotografien von Melbourne – im Original erstellt von Mark Strizic – refotografieren zu lassen. Das eingenommene Geld diente zur Erstellung einer App, die den Prozess erleichtern sollte.

Wer viel Geduld hat, der kann auch ein eigenes Motiv erstellen, das dann – am besten noch am selben Tag zur selben Zeit – über Jahre hinweg fotografiert werden kann. Zu beachten ist, dass der zeitliche Unterschied zwischen den einzelnen Fotos groß genug sein sollte, um erkennbare Unterschiede vorweisen zu können.

 

 Wie geht es weiter?

Auch wenn die gebräuchlichste Art und Weise der vergleichenden Darstellung die einfache Gegenüberstellung zweier Motive (Vorher-Nachher-Foto sozusagen) ist, findet die Verschmelzung beider Motive zu einem einzigen Foto immer mehr Fans in den Refotografie-Communities. Dazu benötigt es nicht einmal mehr Kenntnisse in der Bildbearbeitung. Denn mobile Applikation wie Timera, die es seit 2013 gibt, erleichtern den Prozess.

 

Screenshot: Timera App
Screenshot: Timera App

 

„Refotografie“ in der Kunst

Etwas ganz anderes ist übrigens die Form der „Refotografie“, die der Künstler Richard Prince betreibt. Das bekannteste Bild des Fotografen ist eine Fotografie, die er von einer Marlboro-Anzeige erstellt hat. Das Bild, das im Original vom Fotografen Hannes Schmid stammt, zählt zu den teuersten Fotos der Welt zählt.

 

Linktipps:

Refotografie-Communities auf Fotocommunity.de und Timera

 

 

Foto: NotFromUtrecht (Own work) [Public domain, Public domain or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons