CES: Die Zukunft der Fotoindustrie

#167

 

Mit der International Consumer Electronics Show (CES) wurde in Las Vegas bereits der erste spannende Termin des Jahres 2015 absolviert. Die größte Fachmesse für Unterhaltungselektronik ist auch für die Fotoindustrie ein bedeutender Dreh- und Angelpunkt, nicht zuletzt weil zeitgleich auf diversen Tagungen (PSPA/SPAA, AIE Future Imaging Summit, DIMA Conference) über die Zukunft der Branche diskutiert wird.

 

Die Suche nach der Rettung

Da auf der CES vor allem wieder Smartphones, Smartwatches und sonstige Wearable-Elektronik im Mittelpunkt standen, dürften die Wehklagen über den Abwärtstrend im Kameramarkt wieder für reichlich Diskussion gesorgt haben. Das Smartphone, so die allgemeine Auffassung (die auch in diesem Blog oft vertreten wurde), trägt „Schuld“ an den schlechten Verkaufszahlen, insbesondere im Bereich der Kompaktkameras.

Statt also mit innovativen Produkten neue Maßstäbe zu setzen, kündigte einer der großen der Branche bereits im Vorfeld an, in den Smartphone-Markt einzutreten. Das Unternehmen Kodak wird nun in Kooperation mit der Bullitt Group Androiden herstellen. Als erstes reines Smartphone wurde das Kodak IM5 vorgestellt.

 

Die Kodak Instamatic 2014 ist wie das Samsung K Zoom und das Panasonic CM1 ein Hybrid-Gerät
Die Kodak Instamatic 2014 ist wie das Samsung K Zoom und das Panasonic CM1 ein Hybrid-Gerät via instamatic2014.com.

 

Keine Korrelation zwischen dem Erfolg der Smartphones und dem Misserfolg der Kameras

Im Hinblick auf die PMA Conferences 2015 hatte Heino Hilbig von Mayflower Concepts schon im Dezember die Verkaufszahlen von Kameras, zwischen 1947 und 2014, in einem Diagramm abgebildet. Die Zahlen schienen den Negativtrend nur allzu deutlich darzustellen und den Smartphone-kills-the-Camera-Verfechtern einen weiteren Beweis zu liefern. Die wundervoll polemische Überschrift von mirrorlessrumors.com lautete dann auch „Chart shows how digital cameras killed analog cameras and how the selfie culture (almost) killed digital cameras after that!“.

Im zugehörigen Pressetext wie auch im Interview mit Paul Worthington (PMA Podcast) dementierte Hilbig jedoch jegliche Korrelation zwischen dem großen Erfolg von Smartphones und dem Rückgang der Verkaufszahlen von Kompaktkameras. (Betrachtet man sein Diagramm, sieht man, dass deren Verkäufe nach 2007 – das erste iPhone kam auf den Markt – noch stiegen und erst nach 2011 stark zurückgingen.)

 

Der Kameramarkt basierend auf CIPA-Daten. Diagramm von Heino Hilbig via mirrorlessrumors.com
Der Kameramarkt basieren auf CIPA-Daten. Diagramm von Heino Hilbig via mirrorlessrumors.com

 

Die Unkenntnis des Problemes ist das Problem

Heino Hilbig sieht das Problem eher in der Problemfindung: Statt die schlechten Verkaufszahlen auf Marktsättigung oder die Smartphone-Konkurrenz zu schieben, sollte sich die Fotoindustrie über den eigentlichen Grund des Rückgangs Gedanken machen. Denn erst dann könnte man sich auch Wege aus der Krise überlegen. In erster Linie seien die fehlende Benutzerfreundlichkeit in der Bedienung, aber auch mangelnde Standardisierung – als Beispiel nennt er die unterschiedlichen Raw-Formate – alles andere als verkaufsfördernd. (Mehr dazu im PMA-Podcast.)

 

Wer ist schuld?

Nicht jeder stimmt mit Hilbig überein. So bat PetaPixel in einer Umfrage die Nutzer um deren Meinung zum Thema. Diese einfache Abstimmung ergab, dass knapp 25 Prozent der Meinung sind, dass die Kameraverkäufe ausschließlich wegen der Smartphones zurückgingen. Noch mehr, also 56 Prozent, meinten, dass Smartphones zumindest größtenteils die Schuld tragen.

 

PetaPixel-Umfrage via petapixel.com
PetaPixel-Umfrage via petapixel.com