Lesezeichen: Retronaut – The Photographic Time-Machine

Lesezeichen: Retronaut – The Photographic Time-Machine

#169

 

Zugegeben: Nicht bei allem, was sich auf der Seite von Retronaut (www.retronaut.com) tummelt handelt es sich um eine Fotografie im engeren Sinne. Das wäre bei der Zeitspanne, die das Archiv umfasst, auch wirklich nur mit einer echten Zeitmaschine zu bewerkstelligen. Scans von historischen Abbildungen reihen sich ebenso in die umfassende Sammlung an Bildern, wie abfotografierte Postkarten. Trotzdem, Retronaut bleibt einer der interessantesten Webseiten zum Thema Fotografie, die das Internet zu bieten hat.

 

Der „Junge Wilde“

Chris Wild klingt nicht wirklich wie der Name eines Mannes, der als Kurator eines Museums arbeitet. Und auch das Foto des Engländers, das die Retronaut-Webseite bereithält, lässt mehr an Marlon Brandos Paraderolle aus „Die Faust im Nacken“ zurückerinnern statt an einen Geschichtsunterricht. Aber genau hierin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis von Retronaut. Denn Historie wird hier für alle ohne viel Worte „erlebbar“. Eigentlich schade, dass Wild seine Arbeit nun größtenteils online verrichtet, denn viele der, in die Jahre gekommenen, Museen könnten einen Charakterkopf wie ihn gut gebrauchen.

 

Die Seite

Die von Chris Wild ins Leben gerufene Webseite Retronaut begeistert Fans („I’m a huge Retronaut fan!“ – Dita Von Teese) und Kritiker („Best of the web“ – Daily Mail) aus aller Welt. Bereits beim Besuch der Startseite ist man mittendrin in der visuellen Zeitreise durch verschiedene Epochen. Ein roter Faden ist hierbei nicht zu erkennen, wer Ordnung sucht, sollte sich lieber an die Navigationsleiste halten. Hier kann der Nutzer die angezeigten Bildergalerien (oft bestehend aus nur einem Bild), auch Zeitkapseln genannt, nach zeitlicher Epoche oder Themenspektrum ordnen. Für Neuankömmlinge, die sich vor allem für Fotografien interessieren, ist natürlich anzuraten Beiträge neueren Zeitalters zu suchen.

 

retronaut

 

Bilder wie das Foto eines durchnässten Mantels aus dem Jahr 1915 lassen ob des fehlenden historischen oder künstlerischen Wertes schmunzeln. Aber gerade die Banalität der gezeigten Bilder oder deren Kuriosität machen die Seite nie wirklich langweilig. „These are pictures that show not so much the past as they show “now” – but another version of now“, lautet die Devise.

Lernen bzw. neues Wissen aneignen klappt nebenbei. Ein Beispiel: In England wurden Kühe während des zweiten Weltkriegs oftmals weiß angestrichen. Denn wegen der vielen Stromausfälle bestand die Gefahr, dass diese von motorisierten Verkehrsteilnehmern im Dunkeln übersehen würden.

 

Lust auf eine Zeitreise bekommen? Dann am besten auf diesen leeren Autobahnen (ca. 1936).

 

Übrigens: Inzwischen gibt es auch ein Buch mit dem Titel Retronaut: The Photographic Time Machine zu kaufen.

 

Fotos: Screenshots retronaut.com