Auto-Enhancement: Wie Facebook und Google die Welt verschönern

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Der Schönheitswahn – man könnte ihn auch Verschönerungswahn nennen – berührt inzwischen alle Bereiche des Alltags. Doch während der Mensch früher noch selbst Hand anlegen musste, sei es durch Verweigerung der Nahrungsaufnahme um einem imaginierten Idealgewicht zu entsprechen, oder sei es um durch Gentrifizierung neue Investoren anzulocken, nehmen heutzutage kleine Helferlein die Arbeit ab.

 

Verschönerung mit einem Wisch

Da wäre zum Beispiel YouCam von CyberLink, das sowohl als Desktop-Version wie auch Smartphone-Variante erhältlich ist. Mit dem Programm kann der Nutzer nicht nur bereits erstellte Aufnahmen nachbessern, sondern Live-Videos, wie Skype-Videochats, manipulieren. Die kostenlose Smartphone-Anwendung wartet ebenfalls mit reichlichen Funktionen auf, die den Gang zum Chirurgen ersparen. So kann man neuerdings die eigene Körpergröße den Wünschen anpassen. Je nach Setting der Aufnahme ist für den oberflächlichen Betrachter kaum erkennbar, dass hier getrickst wurde. Perfekt, um den eigenen sozialen Auftritt zu perfektionieren!

 

Verschönerung im Hintergrund

Wer Anwendungen wie YouCam nutzt, weiß, welche Veränderungen an den eigenen Fotos und Videos vorgenommen wurden. Wer unbearbeitete Aufnahmen möchte, der verzichtet darauf und hofft, dass die Datenkomprimierung, die beim Upload Anwendung findet, nicht allzu sehr die spätere Bildqualität beeinflusst.

Aber Moment: In Zeiten des Auto-Enhancement (dt. automatische Verbesserung) ist es kaum mehr möglich missglückte Aufnahmen, so wie man sie schuf, der Welt zu präsentieren. Diese Algorithmen-Wunderwerke funktionieren so ähnlich wie die geliebt-gehasste Autokorrektur, die aus so einem harmlosen Wort wie „tönen“ auch mal „töten“ macht. In Oberlehrer-Manier werden nun also schlecht belichtete Fotos und verwackelte Videos nachgebessert – mitunter ohne vorher um Erlaubnis zu bitten.

Der Suchmaschinenriese Google war einer der ersten Anbieter, der dieses „praktische“ Feature für seinen Bilderdienst anbot. Seit Kurzem können über die Google Plus-Anwendung auch Videos automatisch verbessert werden. Klar, dass Facebook seinerseits nun auch ein Auto-Enhancement-Tool für Fotos anbietet.

 

Für 99 Prozent der Nutzer ist das alles sicherlich eine tolle Entwicklung, da man nun lästige Arbeit abgenommen und keine hässlichen Aufnahmen mehr zu Gesicht bekommt. Die restlichen 1 Prozent ärgern sich über den Eingriff in die eigene Kreativität und müssen fortan nach Wegen suchen, dem automatisiserten Schönheitswahn zu entkommen.