Run & Gun: Dos and Don’ts des „Guerilla Filmmaking“

Run & Gun: Dos and Don’ts des „Guerilla Filmmaking“

#178

 

Es ist ein eigenartiger Widerspruch, dass viele pazifistischen wie künstlerischen Bewegungen das Wort „Guerilla“ (wörtlich: Kleinkrieg) als Teil ihrer Eigenbezeichnung gepachtet haben. So ist Guerilla Gardening wieder in Mode gekommen und die Guerilla Knitting-Bewegung ist ebenfalls im Aufmarsch. Selbst die Werbebranche hat nun Guerilla Marketing für sich entdeckt. Was würde Revolutionsführer Che Guevara, dessen Konterfei als Sinnbild des Guerillakrieges steht und daher gerne Verwendung findet, darüber wohl denken?

 

Was ist Guerrilla Filmmaking?

Dass Guerrilla Filmmaking (Guerrilla wird im Englischen nach wie vor mit zwei “r” geschrieben), keinesfalls eine neue Erscheinung, hat in den letzten Jahrzehnten, durch den Zuwachs an Videokameras für Heimanwender, eine große Anhängerschaft bekommen. Die Wahl von „Guerilla-Methoden“ hängt oft mit dem Ziel der Kostensenkung zusammen, kann aber auch als rein künstlerischer Aspekt betrachtet werden. Vor allem die Independent-Filmszene versucht geringe finanzielle Mittel, fehlendes Personal und Einschränkung im Equipment durch ungenehmigte Filmaufnahmen auszugleichen.

 

Guerilla-Taktiken in Hollywood

Wer glaubt, dass bekannte Regisseure ganz auf Guerrilla Filmmaking verzichten, irrt. Wobei Filmstudios aus Angst vor einer späteren Klage oder möglichen Image-Schaden, eher darauf verzichten. In Fällen, in denen es den Filmemachern – meist aus politischen Gründen – nicht möglich ist, eine Filmerlaubnis zu bekommen, wird dennoch oft genug auf Guerrilla Filmmaking zurückgegriffen. Für seinen Film „Sieben Jahre in Tibet“ sendete Jean-Jacques Annaud zwei Filmteams aus, die heimlich vor Ort drehen mussten. Die chinesische Regierung hatte zuvor ein Drehverbot ausgesprochen. Lustiges Detail: Kritiker, die nichts von heimlichen Vor-Ort-Aufnahmen wussten, fanden später, dass die Filmszenen keine Ähnlichkeit mit Tibet hätten.

Auch Jon Avnet, Regisseur von „Red Corner“ (mit Tibet-Freund Richard Gere in der Hauptrolle), hatte keine Genehmigung, um Außenaufnahmen in Peking zu drehen. Dennoch verbrachte Avnet eine Woche in der chinesischen Hauptstadt und schuf auf diese Weise das erste 35mm-Filmmaterial der Stadt, das je in einem Hollywoodfilm zu sehen war.

Und selbst James Cameron fehlte für den letzten Drehtag von „Terminator 1“ die nötige Erlaubnis von Seiten der Polizei. Da ihm zum Schluss das Geld ausgegangen war, drehten Cameron und Schwarzenegger die Szene heimlich, in nur zwei Stunden.

 

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Wie gehe ich vor

Nicht ohne vorher darauf hinzuweisen, dass man Guerrilla Filmmaking auf eigene Gefahr (!) durchführt, gab Filmemacher Noam Kroll auf der Filmseite indiewire.com nachfolgende Tipps, die für den Erfolg entscheidend sind:

  1. Haltet die Filmcrew so klein wie möglich.
  2. Benutzt eine DSLR oder eine andere Kamera, die nicht wie eine Videokamera aussieht (z.B. Blackmagic Pocket Cinema Camera).
  3. Professionelles Audioequipment ist zu auffällig …
  4. … ebenso wie die Nutzung eines Stativs.
  5. Man sollte sich vorher informieren, welche Location sich eignet (nicht immer braucht man eine Genehmigung).
  6. Sehr wichtig ist es, schnell zu arbeiten …
  7. … daher sollte man den Ablauf gut organisieren.
  8. Falls jemand fragt, sollte man sagen, es handele sich um ein Schul- oder Uniprojekt.

 

Guerrilla Filmmaking kann gefährlich werden

Wie gesagt, Hollywoodstudios distanzieren sich von Guerilla-Methoden, da eine spätere Klage teuer und der Image-Schaden groß werden könnte. Wer aber auf Guerrilla Filmmaking angewiesen ist, wie zum Beispiel Dokumentarfilmer, die in Krisengebieten oder verbotenen Zonen filmen, muss sich der Gefahr bewusst sein und sehr, sehr gut planen. Nicht selten, werden Dokumentartfilmer kurzzeitig inhaftiert, des Landes verwiesen und dazu genötigt, das Filmmaterial auszuhändigen.

Wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort ist, lernte ein Filmteam von Studenten auf brutalste Weise. Für eine Szene simulierten sie einen bewaffneten Überfall. Außer ihnen selbst und dem Ladenbesitzer wusste leider niemand, was geplant war. Dies führte dazu, dass die alarmierte Polizei schwerbewaffnet das Geschäft stürmte. Glück im Unglück: Einer der Schauspieler, wandte sich mit seinem falschen Sturmgewehr der Polizei zu. Statt, wie in diesem Fall möglich, den „Räuber“ zu erschießen, entschied sich einer der Beamten dafür, den jungen Mann zu entwaffnen.

Die Geschichte stammt von Joe Wallenstein, der an der “School of Cinematic Arts” unterrichtet und im Blog der Huffington Post den Artikel „Guerrilla Filmmaking is inherently risky“ veröffentlicht hat. Für ihn war das Vorgehen der Studenten einfach nur dumm und gefährlich.

„There is nothing sexy about someone dying in the course of making a movie“, meint Wallenstein.