The New York Times versucht sich an User-generated content

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Das – kleiner als erwartet ausgefallene – Schneechaos in New York brachte die Traditionszeitung „The New York Times“ (NYT) auf die Idee, Leserfotos für die Printausgabe zu sammeln. Über den Instagram-Hashtag #nytsnow sowie über die eigene Webseite konnten Nutzer ihre Schneefotos hochladen.

 

Richtig oder falsch?

Neun Fotos schafften es zur Überraschung der jeweiligen Fotografen auf die erste Seite des Blattes, was bei diesen zu Stolz, bei Fachleuten für Unmut sorgte. So kritisierte Katie Hawkins-Gaar auf Poynter, die Art und Weise wie die NYT mit User-generated content umgegangen sei. Denn die Fotografen wurden erst nach der Veröffentlichung kontaktiert und auch war nicht immer ersichtlich, wem die einzelnen Bilder zuzuschreiben waren.

Einer der Fotografinnen meldete sich prompt und verteidigte das Vorgehen der Zeitung, da sie ihr Foto schließlich über das Webformular hochgeladen hatte und ihr ein Tag später eine Kopie der Printausgabe angeboten wurde. Sie sei sehr glücklich darüber, dass ihr Foto in der Zeitung zu sehen war.

 

Gibt es journalistische Richtlinien?

Einer der Kommentare stellte die berechtigte Frage, ob bei Nutzung des Hashtags einer bekannten Marke, in diesem Fall #nytsnow, automatisch das Urheberrecht abgetreten werde? Leider wurde dieses Thema nicht weitergehend erörtert, da es für viele Menschen Common Sense zu sein scheint, dass über soziale Netzwerke veröffentlichte Bilder ohne Erlaubnis publiziert werden dürfen.

Zudem gab es, auch von Seiten des Poynter, Lob für die Zeitung, die mit ihrer Öffnung gegenüber User-generated content einen Schritt in Richtung modernen Journalismus gegangen sei.

Allerdings, so Hawkins-Gaar, müsste noch ein bisschen an den eigenen Richtlinien diesbezüglich gearbeitet werden.

 

Dass dies kein Einzelfall ist, zeigte bereits die Studie über die Nutzung von Amateur-Bildmaterial in den Nachrichten, die das Tow Center 2014 veröffentlichte.

 

(Zur Info: Katie Hawins-Gaar war selbst Redakteurin bei CNN iReport, was bei der Einschätzung ihrer positive Haltung gegenüber UGC und ihrer negativen Kritik gegenüber “The New York Times” berücksichtigt werden sollte.)