Bilder von oben: Satellitenfotografie und ihre Anfänge

Bilder von oben: Satellitenfotografie und ihre Anfänge

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Viele Menschen dürften inzwischen voller Neugier nachgesehen haben, wie der eigene Vorgarten aus dem All betrachtet aussieht. Je nach Standort bieten die Satellitenfotos, die Dienste wie Google Maps anbieten, einen präzisen Blick auf die Welt um uns herum.

 

Werden wir beobachtet?

Schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie jene Bilder entstehen, die eine Weltreise via Google Earth so faszinierend machen? Die kindliche Vorstellung, dass „irgendwo dort oben“ ein Mensch sitzt, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als die Erde zu fotografieren, kann man getrost beiseiteschieben. Und wenn da doch jemand ist, dann doch wohl eher Wesen wie Kang und Kodos, die grünen Aliens aus der TV-Serie „Die Simpsons“, die mit Vorliebe die Bewohner von Springfield beobachten.

Die Wahrheit ist: Satellitenfotos gibt es nicht erst seitdem Google im Jahr 1998 die Suchmaschine neu erfunden hat. Es ist dasselbe Jahr, in dem der Film „Staatsfeind Nr. 1“ den Zuschauern vor Augen hielt, wie weit fortgeschritten die Technologie der Geheimdienste sein könnte. Nur ein paar Jahre später, am 5. Februar 2003, wird ein amerikanischer Politiker, gestützt auf Satellitenbilder, vor dem UN-Sicherheitsrat behaupten, der Irak stelle Massenvernichtungswaffen her.

 

Am Anfang war der Weltraumspion

Ganz so abwegig ist die Vorstellung doch nicht, dass die Satellitenbilder von Hand geknipst worden sein könnten. Denn die Idee, Menschen ins All zu schicken, um feindliches Territorium auszuspionieren, gab es tatsächlich. Und wie, in der Geschichte der Raumfahrt nicht anders zu erwarten, standen sich hierbei die USA und die UdSSR als Konkurrenten gegenüber.

Das amerikanische Manned Orbiting Labaratory, kurz MOL (ausgesprochen wie engl. „Mole“ = „Maulwurf“), sollte als Raumlabor einer zweiköpfigen Besatzung dazu dienen, Filmmaterial der Erde – bevorzugt von sowjetischem Boden – zu erstellen. Das von der US Air Force forcierte Projekt erhielt 1965 grünes Licht von Präsident Lyndon B. Johnson, wurde 1969 – vor Fertigstellung – wieder eingestellt. Man hatte festgestellt, dass man für Fotos der Erde kein bemanntes Raumschiff braucht. Und dennoch hatte MOL bereits das Leben eines Menschen gefordert: Einer der Astronauten verstarb bei einem Trainingsflug.

Fast gleichzeitig wurde in der Sowjetunion an der Almas-Station (russ. „Almas“ = “Diamant”) gebaut. Das ebenfalls auf Spionage ausgerichtete Almas-Programm brauchte beinahe zehn Jahre Entwicklungszeit bevor es 1972 – im Gegensatz zum amerikanischen Gegenstück – das erste Mal Kosmonauten ins All sendete. Obwohl die Fotos, die die Station lieferte, sehr genau waren, wurde das Projekt 1978, nach nur wenigen Einsätzen, gestoppt.

 

Erdbeobachtungssatelliten

Während Spionagesatelliten schon seit Jahrzehnten mit hochauflösenden Kameras den Globus umrunden, lieferten nicht-militärische Erdbeobachtungssatelliten erst später Bilder für den Otto-Normalanwender. Allerdings mit Einschränkungen: Zum einen, werden Spionagesatelliten für die Beobachtung in einen niederen Orbit abgesenkt. Zudem unterliegen kommerzielle Satelliten Restriktionen in der Auflösung. So lockerte die US-Regierung 2014 die Grenze der Auflösung von 50 Zentimeter pro Pixel auf 25 Zentimeter pro Pixel. Sensible Bereiche sind davon ausgeschlossen.

 

TV-Tipp:
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Foto: Google Earth