Wenn Fremde das eigene Kind fotografieren

Wenn Fremde das eigene Kind fotografieren

#185

 

Kinderfotos – ein zurzeit heikles Thema im Internet. Und hierbei ist nicht die Rede von jenen der anzüglichen Art, die so manchen Politiker in Bedrängnis gebracht haben. Genauso gut, hätte der Einleitungssatz lauten können:

So manch ein Kinderfoto, das einem in sozialen Netzwerken begegnet, lässt an der Urteilsfähigkeit der Eltern zweifeln. Da kommen einem Gedanken wie „Wissen die denn nicht, dass das nun jeder sehen kann?“.

Oder wie wäre es mit:

Die Street Photography-Szene kämpft an allen Fronten um ihr Recht zu fotografieren. Der neueste Gegner: Mütter.

 

Fotos immer und überall

Es braucht keine empirischen Belege um öffentlich festzustellen, dass die Menschheit dem Foto-Wahn erlegen ist. Denn wäre dies nicht der Fall, dann müssten soziale Netzwerke ums Überleben kämpfen. Damit einher geht das Gefühl, dass der Konsens bezüglich bestimmter Verhaltensregeln nicht länger existiert. Während man es früher noch selbst als unhöflich empfand, immer und überall zu knipsen, kommt man heute nicht einmal mehr auf die Idee, aus Anstand um Erlaubnis zu bitten. Es ist daher nur zeitgemäß, dass viele Museen ihre bisherigen Fotoverbote aufgehoben haben.

 

Die Opposition

Der Widerstand von Menschen, die sich im besten Fall gelangweilt, im schlimmsten Fall überwacht fühlen, wächst. Ob nun Promis, Polizisten oder Paranoiker – alle fühlen sich in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt, wenn sie unerlaubt abgelichtet werden.

Erstgenannte haben es als „Personen des öffentlichen Lebens“ schwer, dieses Recht auch durchzusetzen. Da bleibt oft nur die Erkenntnis, dass man zumindest den Nachwuchs vor den „bösen Fotografen“ schützen sollte. Bekannteste Verfechterin der „no kids policy“ in den USA ist Schauspielerin Kristin Bell.

In England kämpft Musiker Paul Weller für „Children’s Privacy“ nachdem Fotos seiner Kinder auf der Webseite der Daily Mail auftauchten.

Als nicht-prominente Mutter eines nicht-prominenten Kindes hat man es einfacher, sollte man meinen. Ein Artikel, der im „Mama Blog“ des Schweizer Tages-Anzeigers erschien, bekundet das Gegenteil. Hier wird davon berichtet, dass es nicht selten vorkommt, dass Kinder auf der Straße von Fremden fotografiert werden. Verständlich, dass dies die elterlichen Instinkte in Alarm versetzt.

 

Straßenfotografie auf der Anklagebank?

Der Beitrag hatte zur Folge, dass viele (Straßen-)Fotografen sich genötigt fühlten, ihre Arbeit zu verteidigen. Schließlich ist es nicht verboten, Personen als Beiwerk auf öffentlichen Plätzen zu fotografieren. So wirkt die Aktion einer Mutter übertrieben, die einen 18-jährigen aufforderte ein Foto zu löschen, nur weil das Kind auf einem Landschaftsbild auftauchte. Und sowieso, so ein beliebtes Argument, gehen die Eltern doch selbst unverantwortlich mit den Fotos der eigenen Kinder um, wenn sie jeden Schritt öffentlich auf Facebook teilen.

 

Für beide Seiten gilt: Bevor man einen Streit beginnt, sollte über die Sorgen der einen Seite, und die Beweggründe der anderen Seite, kommuniziert werden.