Die lustige Seite des Crowdfundings, oder: Wie man bestimmt keinen Erfolg hat

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Wer Crowdfunding-Projekte nur aus den Medien kennt, dem sei versichert: Kickstarter, Indiegogo und Startnext bieten zwar vielerlei unterstützenswerte Projekte, aber nicht alles, was hier und dort präsentiert wird, ist erfüllt von Ideenreichtum und Talent.

Nicht nur, dass hie und da Neuheiten angepriesen werden, die einem allzu vertraut scheinen – vieles wiederholt sich oder scheint aus der Luft gegriffen.

 

Crowdfunding für „Fotografie“

Sehr groß fällt die Auswahl in den Kategorien Film/Video/Fotografie aus, wobei diejenigen, die sich mehr für die technische Seite interessieren auch in der Rubrik Technologie suchen sollten. (Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, den richtigen Suchbegriff für „Alles, das mit Fotografie zu tun hat“ zu finden, besonders beim Branchenprimus Kickstarter.) Denn schnell breitet sich Ernüchterung aus, wenn man sich durch die Bitten von Menschen scrollt, die eine Kamera geschenkt bekommen wollen.

 

Ich hätte gerne eine Kamera, weil …

Das war übrigens kein Scherz. Es gibt, Plattform-übergreifend, viele Menschen, die darauf hoffen, jemand wird ihnen Geld für eine Kamera, eine Fotoreise oder wichtiges Equipment spenden. Eigentlich keine schlechte Idee, solange sich diejenigen auch die Mühe geben, sich den potentiellen Unterstützern vorzustellen und ihre Beweggründe zu nennen. So wird Fotografen, deren Equipment gestohlen wurde, gerne auch einmal aus der Patsche geholfen. Oder dem jungen Fototalent ein paar Dollar gespendet, da sich dieses keine bessere Kamera leisten kann, aber eine gelungene Auswahl der bisherigen Arbeit vorzuweisen hat. Ärgerlich wird es dann, wenn diese Bitten dreist oder mit wenig Mühe vorgetragen wirken. Und wenigstens die kurze Beschreibung sollte vorhanden, durchdacht und ohne Rechtschreib- und Grammatikfehler sein.

 

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Suchergebnis für “camera” in der Kategorie “Fotografie” via Indiegogo.

 

 

Im Ernst?

Und dann gibt es jene Projekte, die wirken als wären sie das Ergebnis einer durchzechten Nacht.

„I wan to buy a camera so i can make a picture of a cat.“, so der Inhalt der erfolglosen Kampagne eines Niederländers. Nicht irgendeine Kamera sollte es sein, sondern die Canon EOS 5D Mark III.

Da klingt die Bitte von dem jungen Mann aus Florida schon bescheidener, der Frank – seine Englische Bulldoge – zum weltweiten Fotostar machen will.

Sehr schlau ist auch dieser Football-Fan aus Arizona: Ben Hansel sammelt 10.000 US-Dollar um während des Super Bowl Selfies von sich zu schießen. Die Bilder möchte er hinterher bearbeiten und mit den Köpfen der Spender versehen, damit diese dann so tun können, als ob sie selbst vor Ort waren.

 

Produktfotos zum Wegschauen

Ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Kampagne ist die Bebilderung – insbesondere Produktfotos sind essentiell. Wer allerdings nur Prototypen oder Skizzen vorzuweisen hat, hat ein kleines Problem. Allerdings kann man auch diese professionell aufbereiten und sollte niemals selbst mit Photoshop experimentieren. Sonst kann eine möglicherweise interessante Idee schnell lächerlich und unseriös wirken.

 

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Das soll ein Helium-Ballon bzw. Luftschiff für Luftaufnahmen mit dem Handy sein. Produktionskosten 800.000 USD, via Indiegogo.

 

Ebenfalls der letzte Schrei ist der in folgendem Video vorgestellte Hoodie mit Live-Streaming-Vorrichtung von NewViewWear:

 

 

Film- und Fotoprojekte unterstürzen

Wer sich für gute Film- oder Fotoprojekte interessiert, und das „alte Indiegogo“ vermisst, der sollte bei der deutschen Plattform Startnext vorbeisehen. Ebenfalls einen Besuch wert ist Fotofund, die Crowdfunding-Plattform für Fotoprojekte.