Ähnliche Fotografie = Urheberrechtsverletzung?, Teil 2

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Vor fast einem Jahr beschäftigte uns die Frage, ob das Nachahmen einer bekannten Fotografie gegen geltendes Recht verstößt? Konkret ging es um einen Rechtsstreit zwischen dem Fotografen Michael Kennan und der Fluggesellschaft Korean Air. Diese hatte, so Kennans Vorwurf, eines seiner bekannten Fotografien für einen Werbefilm nachgeahmt.

Hier, wie auch in ähnlich gelagerten Fällen von Urheberrechtsverletzung, möchte man ungern die Rolle des Richters übernehmen, da die gegensätzlichen Argumente – mal mehr, mal weniger – nachvollziehbar sind. Und da der technologische Umbruch nicht nur dazu geführt hat, dass man per Mausklick die Werke anderer „ausleihen“ kann, sondern über diesen Vorgang auch viel eher informiert wird, werden Streitigkeiten dieser Art uns auch weiterhin beschäftigen.

 

Fotografie abgemalt

Kürzlich musste der belgische Maler Luc Tuymans eine Niederlage vor Gericht hinnehmen. Dieses fand es als erwiesen, dass er ein Bild der Fotojournalistin Katrijn Van Giel abgemalt hatte. Tuymans selbst gab zu, dass ihn die Fotografie des Politikers Jean-Marie Dedecker inspiriert hatte, seine Malerei allerdings als Parodie zu verstehen sei.

Das Gericht folgte diesem Argument des Malers nicht und urteilte, dass Luc Tymans 500.000 Euro Strafe zahlen müsse, wenn er das Bild weiterhin verwende.

 

Air Jordan-Logo von Fotografen gestohlen?

Viel größere Dimensionen könnte dieser Fall des Fotografen annehmen, der Nike beschuldigt, seine Fotografie „abgekupfert“ zu haben.

Jacobus Rentmeester machte 1984 Fotos der Basketball-Ikone Michael Jordan, die ihn in der bekannten „Jumpman“-Pose zeigten. Die Aufnahmen gefielen dem Sportartikel-Hersteller Nike so gut, dass sie ihm 150 US-Dollar für eine zeitlich beschränkte Nutzung zahlten. Ein Jahr später reproduzierte Nike das Foto und wurde prompt von Rentmeester verklagt, der schließlich 15.000 US-Dollar bekam.

Mit reichlich Verspätung reichte der Fotograf kürzlich erneut Klage ein: Denn das seit 1987 eingesetzte Air Jordan-Logo, dass ebenfalls auf der berühmten „Jumpman“-Pose beruht, basiert laut Rentmeester auf seiner Arbeit.

 

Amateur-Fotografin beschuldigt Gewinnerin eines Fotowettbewerbs des Plagiats

Wer denkt, dass nur Profi-Fotografen ein Urheberrecht besitzen bzw. dass nur deren Werke gestohlen werden, der irrt. Allerdings ist folgender, kurioser Fall, kein Beweis.

Im Jahr 2009 gewann ein Foto der Britin Sarah Scurr den Titel des „Besten Fotos der Woche“ der Tageszeitung „The Telegraph“. Keine große Sache, und der – nicht angepeilte – Ruhm blieb aus. Nun schaffte Scurr es sechs Jahre später aber erneut in die Schlagzeilen. Eine Chilenin beschuldigte sie per Facebook des Plagiats. Als Beweis lieferte Marisol Ortiz Elfeldt das, zum verwechseln ähnliche, Foto desselben Eisbergs, das sie im gleichen Jahr geschossen hatte.

„The Telegraph“ untersuchte den Fall und kam zu dem Ergebnis, dass gegen kein Urheberrecht verstoßen wurde. Tatsächlich waren die beiden Frauen einfach nur zum selben Zeitpunkt auf dem selben Schiff gewesen, wodurch ähnliche Fotos entstanden.