Warum Instagram für all die hässlichen Fotos verantwortlich ist

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Es gibt viele Menschen, für die das Instagrammen zum Alltag gehört, und mindestens genauso viele, die Instagram verpönen. Letztgenannte lassen sich daher hin und wieder lustige Ideen einfallen, um die Foto-App (mit angeschlossenem Netzwerk) durch den Kakao zu ziehen.

Das Bashing (engl. schlagen, ugs. niedermachen) von großen (Internet-)Konzernen ist eine kulturelle Praxis, die der Generation Internet entsprungen ist. Wie heißt es so schön: „Die Revolution frisst ihre Kinder.“

 

 

Instagram-Bashing die Erste

 

Seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres wird die kostenlose Comedy Web-Serie „Fauxtography“ über YouTube ausgestrahlt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jeff (Alex Zuko), ein 20-jähriger, dem nichts Besseres im Leben einfiel als Fotograf zu werden. Als Steve in sein Leben tritt, sieht er seine Profession durch den selbsternannten Instagramographer gefährdet, der zu allem Überfluss auch noch Jeffs Ex-Freundin datet.

 

Natürlich wird die fast täglich neu auflodernde Debatte „echte Fotografie vs. mobile Fotografie“ mit viel Ironie behandelt. Der „echte“ Fotograf Jeff ist mit seiner Aussage, dass ihm „snapping for a living“ nur in den Sinn kam, weil er mit seinem Uni-Abschluss nichts anfangen konnte, nicht gerade das beste Aushängeschild seiner Profession. Sein Gegenspieler Steve repräsentiert die Ära Instagram, ein Nerd, der statt mit einer Kamera mit seinem iPhone Fotos macht.

Die ersten vier Folgen (jeweils zwischen fünf und zehn Minuten) kulminieren in einer Ausstellung, die die Werke beider Künstler ausstellt, und deren Ausgang für den Zuschauer nur in kurzen Rückblicken zu sehen ist.

 

Übrigens: Das Instagram-Profil der Serie ist unter @fauxtographyshow zu finden.

 

 

Instagram-Bashing die Zweite

 

Die schärfste und beste Kritik kommt bekanntlich aus den eigenen Reihen. So verhält es sich auch mit Satiregram, einem extrem erfolgreichen Instagram-Account, das Fotos von handgeschriebenen Notizen bietet. Und auf denen finden sich alle Klischees alias langweilige Fotoideen, die das Fotonetzwerk für Kritiker so “pfui” macht.

 

Beispiele:

„a black and white picture of some birds perched on a telephone wire …”

“outfit of the day”

“a shot of my nails to show off my new manicure that I just got …”

“a picture of my cat.”

“look at this cheeseburger.”

“a screenshot of what I’m currently listening to on my phone to show that I’m into music that you probably never even heard of, but you’re going to “Like” and comment anyway to pretend you know exactly who I’m listening to …”

 

 

Instagram-Bashing die Dritte

 

Bei der Menge, die täglich an Fotos auf soziale Netzwerke hochgeladen wird – auf Facebook beispielsweise sind es mehrere tausende in der Sekunde (!) – ist es schwer vermeidbar, öfter einmal auf unschöne Exemplare zu treffen.

Ein Geschenk für Medienportale wie Buzzfeed & Co. die hieraus ihre gefürchteten Top Ten-Listen basteln können.

So braucht man keinen eigenen Instagram-Account, um in den Genuss der schlimmsten Fotos EVER zu gelangen, wie sie beispielsweise Runt auflistet. (25 Of the Worst Instagram Pictures Ever)

Ebenso kann man sich immer sicher sein, dass es irgendwo da draußen einen Menschen gibt, der auf Tumblr eine eigene Seite unterhält, die sich solch gearteten Themen annimmt. In diesem Fall heißt die Seite „The Worst of Instagram“.

 

 

Instagram-Bashing die Vierte

 

Sobald etablierte Zeitungen damit beginnen, deinen Firmennamen in Zusammenhang mit vermeintlich unschönen Auswüchsen einer ganzen Generation zu nennen, weißt du, dass du es geschafft hast.

Ein Beispiel: Der spitzzüngige Jonathan Jones von „The Guardian“ machte sich kürzlich über den Streit zweier Frauen lustig, wo die eine der anderen vorwarf, deren Foto gestohlen zu haben.

Unter dem Titel „Why does our Instagram generation think its snaps are so special?“ schreibt Jones: „Photography can easily degenerate into a pseudo-art, with millions of people all taking pictures of the same things and all thinking we are special. This amateur delusion of photographic art is everywhere today – from Instagram to the streets and hills, where there is always someone taking their holiday snaps too damn seriously.“

 

 

Bei all der Kritik die gegenüber Instagram geäußert wird, dürfte jedem klar sein, dass nicht der Konzern für sich, sondern das Verhalten das dieser – wie viele andere – „fördert“ bemängelt wird. Wenn vor jedem Essen erst noch Fotos aus allen Perspektiven geschossen werden müssen, jeder noch so triviale Sonnenuntergang als Kunstwerk gedeutet wird, und es scheinbar nicht mehr ohne Foto geht, dann ist verständlich, wenn einige sich hierüber ärgern.

 

Ist Instagram deswegen für all die hässlichen Fotos verantwortlich? Nein. Das sind die Nutzer selbst. Wenn man dem Konzern etwas vorwerfen kann, dann vielleicht die Hochzeit mit Facebook.

Und ein bisschen dafür, dass die Jugend nur noch in Hashtags kommuniziert.

Und den Quadrat-Zwang.

Und die Filter.

Und …