Wie erneut ein Skandal den World Press Photo Award überschattete

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Was wäre die Verleihung des World Press Photo Awards ohne darauffolgenden Skandal? Zumindest in diesem Jahr wurde der renommierte Fotopreis seiner Rolle gerecht und löste eine globale Debatte über die ethischen Standards im Fotojournalismus aus. Und erneut sind Manipulationsversuche der Grund.

 

Lob für das Siegerfoto

Nachdem in diesem Jahr der Hauptpreis an den Dänen Mads Nissen ging, sah es so aus, als würde der World Press Photo Award ohne einen weiteren Skandal auskommen. Denn das Siegerbild, das ein homosexuelles Pärchen in Russland zeigt, wurde von den Medien als couragiertes, politisches Statement gefeiert.

 

20% der Fotos disqualifiziert

Und auch die Bekanntgabe, dass zwanzig Prozent der eingereichten Bilder in diesem Jahr wegen Manipulation ausgeschlossen wurden, warf ein positives Licht auf die Organisatoren. Denn nach diversen Skandalen, die den Wettbewerb in den letzten Jahren begleiteten, schien man in diesem Jahr pro aktiv gegen Manipulationsversuche vorzugehen. Schließlich hatte man im vergangenen November einen Bericht mit dem Titel „The Integrity of the Image – Current practices and accepted standards relating to the manipulation of still images in photojournalism and documentary photography“ herausgebracht, um grundlegende Standards zu erörtern.

 

World Press Photo
2015 Photo Contest Jury (Foto: Bas de Meijer)

 

 

Charleroi wehrt sich

Die belgische Stadt Charleroi war indes alles andere als begeistert durch die Fotoserie „The dark heart of Europe“ bekannt zu werden. Die Bilder, die der Fotograf Giovanni Troilo hierin von der Stadt zeichnet, sind dunkel und pessimistisch.

Also schrieb der Bürgermeister der Stadt, Paul Magnette, einen Brief an World Press Photo mit der Bitte, Troilo den Preis in der Kategorie „Contemporary Inssues“ zu entziehen. Den Anschuldigungen, dass der Fotograf falsche Informationen weitergegeben habe, ging die Jury nach, kam nach einer dreitägigen Untersuchung allerdings zu dem Ergebnis, dass diese nicht zutreffen. Und fast schien es, als ob Charlerois Einspruch nur der Versuch war, einen möglichen Image-Schaden abzuwehren.

 

Award wird entzogen

Am 4. März verkündete World Press Photo überraschend, dass man Giovanni Troilo den Preis nun doch entziehe. In der Pressemitteilung wird speziell auf das Bild eines Künstlers Bezug genommen, das angeblich in Charleroi, tatsächlich aber in Molenbeek aufgenommen wurde.

Viel mehr kontrovers diskutiert wurde allerdings ein Foto, das ein Pärchen dabei zeigt, wie es in einem Auto Sex hat. Es wurde nämlich bekannt, dass es sich bei dem Mann um einen Cousin des Fotografen handelte. Auch die Nutzung eines Blitzlichts war Verfechtern des „echten“ Fotojournalismus ein Dorn im Auge.

 

“Based on the mixture of reactions we’ve received over the past week, it is clear to me that the debate taking place about the definitions of press photography, photojournalism and documentary photography is necessary, and it will have implications for the professional ethics of practitioners. We find ourselves right in the middle of this debate, and we aim to use this as a learning experience, to give focus to the discussion and bring it to the next level. In order to do this, we are organizing a discussion about image integrity that will take place during the Awards Days in Amsterdam and we also plan to hold a debate about ethics in the profession during the same event at the end of April.” (Lars Boering, managing director World Press Photo)