Eyetracking-Studie: Was macht ein Foto unvergesslich? Wann wird es geteilt?

Eyetracking-Studie: Was macht ein Foto unvergesslich? Wann wird es geteilt?

#202

 

Was müssen Fotografien aufweisen, um in einer Zeit, in der Bilder im Handumdrehen um die Welt gehen, veröffentlicht zu werden? [1] Diese Frage untersuchte Sara Quinn, mit Unterstützung der National Press Photographer Association (NPPA) und Poynter, an der University of Minnesota.

Im Mai 2014 wurden dazu 52 Studienteilnehmer, zwischen 18 und 30 sowie zwischen 45 und 60 Jahren, eingeladen, die mittels Eyetracking-Analyse und Interviews hierüber Auskunft geben sollten.

Die Studie war so aufgebaut, dass sich die einzelnen Teilnehmer je 200 Fotos an einem Computer ansehen mussten. Diese zeigten, nach dem Zufallsprinzip, im selben Mengenverhältnis entweder Fotografien von Profi- oder Amateurfotografen. Eine versteckte Infrarotkamera nahm hierbei die Augenbewegungen der Betrachter auf.

 

Professionelle Fotografie ist besser

In den Anschließenden Gesprächen wurden die Teilnehmer u.a. gefragt, welche Fotos ihnen am meisten in Erinnerung geblieben waren. Auch die Frage nach Qualität und inwiefern diese wichtig sei, wurde erörtert. Das überraschende Ergebnis: Bilder, die von Profis gemacht wurden, wurden zu 90% als selbige erkannt.

“You can tell which ones are done by people who know what they are doing,” so der Kommentar eines 21-jährigen, “whether it’s the focus, or the angle or the lighting, being allowed to be up close—all that stuff.” [2]

Die Chance, dass ein Foto auch mit anderen geteilt werden würde, war bei Profiaufnahmen ebenfalls doppelt so hoch. Gleichzeitig stellte man fest, dass die Teilnehmer eben diesen am Computer mehr Zeit gewidmet hatten.

 

stressed-646457_1280

 

Gesichter, Emotionen und Geschichten

Der Hauptgrund, warum professionelle Fotografien sehr viel besser ankamen mag auch daran liegen, dass diese eben keine zufälligen Schnappschüsse zeigten, sondern im Gegenteil, bedachte Aufnahmen, die eine Geschichte zu erzählen hatten. Denn laut Teilnehmern spiele es eine wichtige Rolle, eine emotionale Bindung zum Bildgeschehen aufbauen zu können. Auch sei es von Bedeutung, dass Fotos eine Geschichte zu erzählen hätten.

“The one with the two ladies leaving the dance floor. You could tell that they were happy. The picture itself told a good story. Not the caption — just the picture itself. [3]

Des Weiteren offenbarte das Eyetracking, also die Analyse der Augenbewegungen, dass der Blick der Betrachter zuerst zu den Gesichter in den Fotos wanderte, sofern welche Vorhanden waren.

 

Die Ergebnisse der Studie dürften die professionellen Fotografen aufatmen lassen, die bislang dem Mythos Glauben geschenkt hatten, die alltägliche Bilderflut würde dazu führen, dass gute fotografische Handarbeit nicht mehr erkannt und gewürdigt werde.

Amateurfotografen sollten die Studie als Anregung ansehen, die eigenen Fähigkeiten weiter zu verbessern. Zum Beispiel indem man sich selbst die 200 Fotos der Studie ansieht und diese ehrlich bewertet. Eine Testseite findet sich hier – Antworten werden nicht gespeichert.

 

Info:

Die Ergebnisse der Studie wurden in einem vierteiligen Artikel veröffentlicht:

 

[1] “What makes a photograph worth publishing in an age when images are shared in an instant, around the world?”
[2] Zitat aus dem ersten Teil der Studie.
[3] Zitat aus dem dritten Teil der Studie.