Dokutipp: BBC Master Photographers von 1983

Dokutipp: BBC Master Photographers von 1983

#211

 

Der britische Sender BBC Two (BBC2) ist für TV-Kultsendungen wie „Monty Pythons Flying Circus“ und „Top Gear“ bekannt. Weniger bekannt dürfte die erstklassige, leider kurzlebige, Interviewreihe mit dem Titel „Master Photographers“ sein.

 

Die Sendung, die der Sender im Frühjahr 1983 im Vorabendprogramm ausgestrahlt hatte, wurde von Peter Adam produziert und bestand aus insgesamt sechs Folgen. Und diese habe es in sich, denn die Interviewpartner von Adam waren allesamt Fotoikonen ihrer Zeit – und sind heute Legenden unserer Zeit.

Man kann der BBC nur danken, den richtigen Zeitpunkt gewählt zu haben, verstarben in den Folgejahren gleich vier der sechs Fotografen.

 

Folge 1: Alfred Eisenstaedt

Mit dem „Vater des Fotojournalismus“ beginnt die erste Folge von „Master Photographers“. Eisenstaedt (1898-1995) arbeitete zunächst in Deutschland, wo er u.a. mit Porträtaufnahmen von Prominenten wie Marlene Dietrich bekannt geworden war. Dann war er aber gezwungen in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Glück im Unglück: In den USA wurde der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie schnell zum Star, vor allem durch seine Arbeit für das LIFE-Magazin.

 

Folge 2: Bill Brandt

Gleichfalls deutsche Wurzeln hatte der britische Fotograf Bill Brandt (1904-1983), der in der Sendung von Peter Adam ein seltenes Filminterview gab. Bekannt wurde Brandt durch seine Arbeiten während der Weltwirtschaftskrise, später durch seine kunstvolle Aktfotografie. Er verstarb im selben Jahr der Ausstrahlung.

 

Folge 3: Andreas Feininger

Auch Andreas Feininger (1906-1999) hatte eine enge Verbindung zu Deutschland, denn hier am Bauhaus – wo sein Vater lehrte – absolvierte er sein Architekturstudium. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich dennoch als Bildreporter und das obwohl er sich das Fotografieren selbst beigebracht hatte.

 

Folge 4: Jacques-Henri Lartigue

Die Fotografien des „Amateurs“ Jacques-Henri Lartigue (1894-1986) lassen den Betrachter als erstes an das Wort „Lebensfreude“ denke. Das mag vor allem an seinen Motiven liegen, war er doch ein großer Fan von Autorennen und fotografierte das Leben der französischen Oberschicht.

 

Folge 5: Andre Kertész

Seine künstlerische Fotografie, zum Beispiel von Objekten wie einer Gabel, prägte einen ganz neuen Stil. Hinzu kamen Aktfotografien, die er mit Hilfe von Spiegeln ins surrealistische verzerrte. Dennoch hatte es Kertész (1894-1985) als Ungare schwer, sich in den Vereinigten Staaten zu etablieren.

 

Folge 6: Ansel Adams

Selten hat der Leitsatz „Last but not least“ besser gepasst als in diesem Zusammenhang. Denn als letzter in der Reihe gab Ansel Adams (1902-1984) der BBC ein Interview. Da auch er im Folgejahr verstarb, ist das Interview umso bedeutender.

 

Dass die Sendung „Master Photographers“ noch nicht vollkommen im Sendearchiv der BBC untergegangen ist, ist Internetnutzern zu verdanken, die die sechsteilige Sendung öffentlich über YouTube verbreitet haben. Die zirka 30-minütigen Interviews sind hier, auf Englisch, (noch) in voller Länge zu finden.