Fotorecht: Neue Gesetze und Regelungen passen sich dem Social-Media-Zeitalter an

Fotorecht: Neue Gesetze und Regelungen passen sich dem Social-Media-Zeitalter an

#213

 

„Revenge porn“, zu deutsch Rache-Porno, gehört wohl zu den hässlichsten Nebenprodukten unserer Share Economy. Gemeint sind damit Nacktbilder (vom Ex-Partner), die Menschen aus falschverstandener Rache – oder schierer Dummheit – über soziale Kanäle verbreiten.

 

Die bekanntesten Fälle von Rache-Porno

Bekanntheit erhielt der Begriff durch Berichterstattungen im Fall der Internetseite IsAnybodyDown?, die der Betreiber Craig Brittain nach heftigen Protesten und anstehenden Ermittlungen schließen musste. In einem offenen Brief, der nach wie vor auf der Seite zu finden ist, entschuldigte sich Brittain, bestritt gleichzeitig aber, dass es sich bei den auf seiner Seite geposteten Fotos um Rache-Pornos gehandelt habe.

 

Auch der große Hacker-Angriff auf die iCloud-Konten von Prominenten im Jahr 2014 wird mit revenge porn in Verbindung gebracht. Denn auch hier handelt es sich um Nacktfotos von Menschen, deren Einwilligung zur Veröffentlichung nicht vorlag.

 

„Revenge porn“-Gesetze international

Dank der Aufmerksamkeit, die das Thema, besonders im letzten Jahr, erhielt, hat sich das Problem in den Köpfen der Gesetzesgeber und auch der Betreiber von bekannten Internetplattformen festgesetzt und Änderungen bewirkt.

So wird im amerikanischen Bundesstaat Texas schon länger über eine entsprechende Gesetzesänderung diskutiert, die es den Opfern erleichtern soll, Schadensersatz zu fordern. Viele sehen aber das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gefährdet, so dass es unwahrscheinlich ist, dass andere Bundesstaaten dem Vorbild von Texas folgen werden.

 

In Großbritannien gilt der 21-jährige Luke King als der Erste, der wegen der Verbreitung von Rache-Pornos zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Er hatte die intimen Bilder über den bekannten Messenger-Dienst WhatsApp verbreitet.

 

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Gesetzesänderungen bezüglich Bildaufnahmen in Deutschland

In Deutschland hat vor allem der Fall Edathy eine schnelle Änderung im Strafgesetzbuch forciert. Viele, vor allem Jugendliche, dürften sich gar nicht im Klaren darüber sein, dass sie sich seit Anfang dieses Jahres beim Posten von Partybildern auf sehr dünnem Eis bewegen.

Denn neben den Paragrafen, die sich vor allem mit pornografischem Material auseinandersetzen, betrifft §201a die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereich durch Bildaufnahmen“.

 

Fotos und Videos auf privatem Boden zu machen, also in der Wohnung oder durch die Hecke hindurch, ist verboten und kann zu einer Freiheits- oder Geldstrafe führen. Wer sich für die Drohnen-Fotografie interessiert und diese auch einsetzt, sollte dieses Gesetz – neben den vielen anderen Regelungen – nicht außer Acht lassen.

Der zweite Abschnitt besagt, dass eine Aufnahme, „die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt“ ebenfalls strafbar ist. Fotos vom besoffenen Kumpel, der halbnackt seinen Rausch ausschläft, könnten theoretisch in diese Kategorie fallen und sollten daher besser nicht geteilt werden.

Und auch hier gilt, wie im erstgenannten Beispiel, dass bereits die Erstellung der Bildaufnahme strafbar ist!

 

Twitter und reddit passen sich an

Kaum einer hätte es wohl für möglich gehalten, dass ausgerechnet reddit, die Plattform für freie Meinungsäußerungen, dem Rache-Porno den Kampf ansagen würde. Schließlich wurden die gestohlenen iCloud-Fotos von Promis hierüber bekannt. Aber gerade dieser bekannte Vorfall – wie auch die kürzlich geglückte, erfolgreiche Finanzierungsrunde – haben zu einem Einlenken geführt.

“No matter who you are, if a photograph, video, or digital image of you in a state of nudity, sexual excitement, or engaged in any act of sexual conduct, is posted or linked to on reddit without your permission, it is prohibited on reddit. We also recognize that violent personalized images are a form of harassment that we do not tolerate and we will remove them when notified.”

Die entsprechenden Änderungen in den Datenschutzrichtlininen sind am 10. März 2015 in Kraft getreten.

Und auch Twitter möchte in Zukunft gegen Rache-Pornos vorgehen und hat seine Richtlinien dementsprechend angepasst.

 

 

*Dieser Artikel soll lediglich als Hinweis dienen und ersetzt keine Rechtsberatung.

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