Abraham Lincoln und sein Fotograf

Abraham Lincoln und sein Fotograf

#225

 

Hillary Clinton will Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Diese Nachricht, die die Demokratin per Videobotschaft bekannt gab, kam genauso wenig überraschend wie die darauffolgende Häme. Nicht von Seiten der konkurrierenden Republikaner, die nach der Ära Obama auf einen Regierungswechsel hoffen, oder von Konservativen, die Frauen ein so wichtiges Amt nicht zutrauen – sondern von Allen.

Grund hierfür war gar nicht so sehr das Video, obwohl auch dieses nicht unbedingt als gelungen oder gar als beleidigend empfunden wurde. Im Mittelpunkt der Kritik steht ihr Logo, ein blaues H dessen horizontaler Strich durch einen roten Pfeil ersetzt wurde. Da mokieren sich selbst Zeitungen wie die SZ „Stresstest für die Augen“ oder ZEIT „Es zeigt ein Pfeil nach nirgendwo“.

 

Kritikern mag die Reaktion als weiteren Hinweis darauf dienen, dass weder Politiker noch deren Wähler sich heutzutage für Inhalte interessieren und viel zu sehr Wert auf scheinbar oberflächliche Elemente gelegt wird.

Ein Blick in die Geschichte genügt aber, um zu sehen, dass sich gar nicht so viel verändert hat.

 

Lincoln und die Fotografie

Am 15. April 2015 jährte sich der Todestag von Abraham Lincoln zum 150. Mal. Der wohl beliebteste wie auch bekannteste Präsident der USA hatte sich selbst, durch seinen Einsatz gegen die Sklaverei, zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt und wurde dann, ermordet von einem Attentäter, zu einer Ikone.

Was viele nicht wissen ist, dass Abraham Lincoln der erste Präsident seines Landes war, der die Wichtigkeit von medialer Darstellung erkannt hatte und für seine Zwecke erfolgreich nutzte. Und so war das Wahljahr 1860 auch ein kleiner Meilenstein für die Fotografie.

 

AbrahamLincoln

 

Die Anfänge der Kriegsfotografie

Das mit bekannteste Portrait von Abraham Lincoln – auch als „Cooper Union Portrait“ bekannt – wurde am 27. Februar 1860 von Mathew Brady geschossen. Es zeigt den noch Bartlosen Präsidentschaftskandidaten aufrecht stehend, mit einer Hand auf einem Stapel Bücher ruhend.

Mathew B. Brady war kein Unbekannter. Tatsächlich war er einer der renommiertesten Fotografen (besser: Daguerreotypisten), dessen Studio in New York von vielen Berühmtheiten besucht wurde. Hierunter zwei Vorgänger Lincolns aber auch Künstler wie Edgar Allen Poe. Den verarmten Schriftsteller fotografierte Brady – nachdem sich dieser zuvor geweigert hatte – unentgeltlich, nur wenige Wochen bevor dieser verstarb.

 

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Obwohl Brady mit seiner Studiofotografie gut verdiente, bat er 1861 um die Erlaubnis, an den Kriegsschauplätzen arbeiten zu dürfen und schuf damit bedeutende visuelle Zeugnisse des Amerikanischen Bürgerkriegs. Die Erlaubnis wurde ihm vom Präsidenten, nun Abraham Lincoln, persönlich erteilt.

 

Unvergessen

Die Hoffnung, hinterher mit seinen Aufnahmen viel Geld verdienen zu können, bewahrheitete sich allerdings nicht. Brady, einer der ersten Kriegsfotografen, starb im Alter von 73 Jahren hoch verschuldet.

Es ist wahrhaft ironisch, dass ausgerechnet eines seiner Bilder, ein Konterfei von Lincoln, noch heute auf jeder 5-Dollar-Note zu finden ist.

 

Und Lincoln? Der Mann, der aus armen Verhältnissen kam und dessen markante Gesichtszüge kaum dafür geeignet schienen, war mit 120 Fotografien die vielleicht meistfotografierte Persönlichkeit seiner Zeit.

 

Quellen:

  • Carol Pyne: Seeing Lincoln. Visual Encounters. In: The Cambridge Companion to Abraham Lincoln.
  • Roy Meredith: Mr. Lincoln’s Camera Man, Mathew B. Brady.

 

Fotos: Library of Congress, American Memory Collection, Words and Deeds in American History, Civil War Photo Album env. 1861-65, provenant de the James Wadsworth Family Papers. Photograph Matthew Brady; Mathew Brady (circa 1875) – Both Public Domain via Wiki Commons.